Als mein Vertrag als Direktor der Stiftung Bauhaus Dessau im November letzten Jahres nicht verlängert, sondern neu ausgeschrieben wurde, da verwies der Stiftungsratsvorsitzende, der sachsen-anhaltinische Kultusminister Stephan Dorgerloh, als Begründung auf das "beschädigte Vertrauensverhältnis". Mehr wolle er dazu nicht sagen, um Personenrechte zu schützen. Es gab Leute, die ihn dafür lobten, dass er "nicht öffentlich schmutzige Wäsche" wasche. Denn hinter einem "beschädigten Vertrauensverhältnis" stehen im allgemeinen Verständnis grobe Verstöße gegen die Amtspflichten, etwa durch inkorrekten Umgang mit Geld, Beleidigung von Personen oder Überschreitung von Befugnissen, also alles Vorfälle, die arbeitsrechtlich auch eine fristlose Kündigung begründen können. An sich, so sollte man meinen, müsste ich als Betroffener dankbar sein über eine solche Diskretion.

Doch mit dem Schleier der Diskretion schützt der Vorsitzende nicht mich als Kritisierten, sondern seine eigenen Machenschaften. Wer etwas begründet, macht sich angreifbar. Als ich auf der Stiftungsratssitzung fragte, was denn mit dem "beschädigten Vertrauensverhältnis" gemeint sei, erhielt ich keine inhaltliche Erklärung, sondern die Zusage, dass der Vorsitzende mir die demnächst unter vier Augen darlegen werde. Doch das Gespräch fand nie statt, eine Antwort habe ich trotz mehrfachen Nachfragens nicht erhalten. Was verbirgt sich hinter dieser Mauer des Schweigens?

Sicherlich ist diese Entscheidung, die heftige öffentliche Kritik hervorrief, nicht unbegründet gefallen. Doch hat es keine Kontroverse im Stiftungsrat gegeben. Im Gegenteil. Noch Anfang des Jahres 2013 hatten sich Dorgerloh und die Vertreterin des Bundes als seine Stellvertreterin über meine Tätigkeit sehr positiv geäußert, und sie sprachen sich dafür aus, mir einen weiteren Vertrag bis Ende 2019 zu geben. Dies hatten beide im April nochmals bestätigt, und nachdem ich von beiden ein halbes Jahr hierzu nichts mehr gehört hatte, wurde ich im Oktober über den im Umlaufverfahren – und damit ohne Diskussion – gefassten gegenteiligen Beschluss informiert.

Ein neues Museum soll gebaut werden, doch wo ist dafür der beste Standort?

Was sich in dieser Zeit zugetragen hatte, war ein unausgesprochener Konflikt in einer wichtigen Sachfrage. Dringend braucht die Bauhaus-Stiftung neue Räume für Ausstellungen, und so unterbreitete ich kurz nach Beginn meiner Tätigkeit im Sommer 2009 einen Lösungsvorschlag, der die Unterstützung der Stadt Dessau-Rosslau gewann. Nach einigen Lippenbekenntnissen mehrerer Minister im Landtagswahlkampf 2011 wurde jedoch das Projekt nach der Wahl von der neuen Landesregierung, in der Dorgerloh nun das Amt des Kultusministers bekleidete, im Herbst 2011 beerdigt. Die Gründe hierfür sind aus heutiger Sicht schwer nachvollziehbar, denn bereits wenige Monate später hob der Minister das Projekt wieder aus der Taufe.

Die Stiftung erstellte im Auftrag des Stiftungsrates umfangreiche Untersuchungen und beauftragte mehrere Gutachten. Im April 2013 sollte der Stiftungsrat über den Standort für das neue Ausstellungshaus entscheiden. Alle Gutachter, der wissenschaftliche Beirat sowie ich als Direktor hatten sich einvernehmlich für zwei Optionen ausgesprochen, beide Standorte zwischen den Meisterhäusern und dem Bauhaus-Gebäude gelegen. Der Stadtrat hatte den Weg dafür frei gemacht. Offenkundig vorteilhaft an den beiden Standorten ist, dass sich hier der Neubau in das bestehende historische Ensemble klug einfügen könnte. Zugleich würde so eine Brücke zum benachbarten Welterbe des Wörlitzer Gartenreichs geschlagen, das hier mit dem Georgengarten und den Erdmannsdorf-Bauten das Welterbe des Bauhauses berührt. Weitere Vorteile treten hinzu, sodass die Empfehlung aller Fachleute einhellig war.

Gleichwohl fasste der Stiftungsrat hierzu keinen Beschluss, sondern delegierte auf Wunsch des Stiftungsratsvorsitzenden Minister Dorgerloh die Entscheidung an das Landeskabinett. Der Minister gab vor, selber keine Standortpräferenz zu haben. In der Stadt kursierte allerdings das Gerücht, der Minister präferiere den Stadtpark, traue sich aber nicht, dies im Stiftungsrat durchzusetzen. Die Stiftung sollte die Kabinettsvorlage vorbereiten; die hierzu erstellten Wirtschaftlichkeitsgutachten zeigten auf, dass die Standorte an den Meisterhäusern auch wirtschaftlicher sind als der mögliche dritte Standort im gut 1,5 Kilometer entfernten Stadtpark, der Mehrkosten von etwa drei Millionen Euro in der Erstellung und einen Mehraufwand von circa 200.000 Euro pro Jahr für den Betrieb mit sich brächte.

Das Kabinett beschloss Anfang Juli das Projekt, stellte eine Finanzierung von 50 Prozent der geplanten 25 Millionen bereit und empfahl den Standort Stadtpark zur Realisierung. Warum der Stadtpark? Die mit der Frage befassten Mitarbeiter in der Staatskanzlei und im Bauministerium waren – so war informell zu hören – zwar fachlich nicht vom Standort überzeugt, aber im Kabinett gilt das Ressortprinzip. Den Wunsch des Ministers zu dieser Standortfestlegung hatte man allerdings auf eine reine Empfehlung abgeschwächt und somit die Frage bewusst etwas offengelassen und dem Stiftungsrat das letzte Wort zugestanden.

Als Entscheidungsgrundlage diente eine vom Kultusministerium selbst erstellte Kabinettsvorlage, die als so geheim eingestuft wurde, dass sie selbst der Bund, der die Hälfte der Kosten tragen soll und Mitglied im Stiftungsrat der Stiftung Bauhaus Dessau ist, trotz wiederholter Bitten nicht vorgelegt bekam. Über deren Inhalt muss also auch hier geschwiegen werden. Die Stiftung bekam diese irrtümlich zur Verfügung gestellt und sah sich zu einer mehrseitigen Stellungnahme gegenüber dem Minister veranlasst. War diese schon heikel, so führte nach Einschätzung von Insidern ein Gespräch zwischen Staatskanzlei (CDU) und mir als Stiftungsdirektor zum Bruch.

Aufgrund der Kabinettsbefassung wandte sich die Staatskanzlei an mich als Direktor der Stiftung, um sich über den Sachverhalt zu informieren. Ich beantwortete auf Basis der vorhandenen Untersuchungen die Fragen nach bestem Wissen und Gewissen, was anscheinend im Widerspruch zu den Darlegungen des Ministers Dorgerloh stand. Der Minister verstand dies – so hieß es – als Hochverrat. Ich hingegen sah mich als Direktor verpflichtet, intern und vertraulich den Entscheidungsträgern sachliche Auskunft zu geben. Im November beschloss der Stiftungsrat der Stiftung Bauhaus Dessau, der Empfehlung des Kabinetts zu folgen und den Standort Stadtpark für das Bauvorhaben festzulegen.