Wir besuchen Glenn Greenwald, dessen neues Buch über die US-Geheimdienste in dieser Woche auf Deutsch erscheint, in seinem Haus am Stadtrand von Rio. Es liegt versteckt hinter einer hohen Mauer am Rande eines Nationalparks. Ein weitläufiges Grundstück, Bambushaine, Palmen. Zwölf Hunde toben herum und kläffen. Greenwald sitzt entspannt auf der Veranda und liest E-Mails, als wir die Treppe hinaufkommen.

DIE ZEIT: Mr. Greenwald, wo bewahren Sie eigentlich die Dokumente auf, die Ihnen Edward Snowden anvertraut hat? Hier, in Ihrem Haus?

Glenn Greenwald: Ja. Kopien der Dokumente sind an verschiedenen Orten, aber ich brauche die Unterlagen hier, um damit zu arbeiten. Snowden hat mir gleich zu Anfang Empfehlungen gegeben, wie wir mit dem Material umgehen sollen, und eine war: Trenne dich nie physisch von den Dokumenten. Deshalb bin ich in den vergangenen zwölf Monaten ständig mit einem Rucksack herumgelaufen, in dem das komplette Archiv steckt.

ZEIT: Mit dem schwarzen Rucksack, der da auf der Veranda liegt?

Greenwald: Ja, genau.

ZEIT: Fühlen Sie sich denn sicher hier?

Greenwald: Wir haben ein paar Maßnahmen getroffen, mit privaten Sicherheitsdiensten, und irgendwann hat uns der brasilianische Staat Schutz gewährt. Aber im Ernstfall würde das wohl auch nichts nützen.

ZEIT: Der Laptop Ihres Partners, David Miranda, wurde aus diesem Haus gestohlen?

Greenwald: Ja, kurz nachdem wir Snowden getroffen hatten. Das war der Moment, als mir klar wurde, dass es wirklich ernst wird.

ZEIT: Hat Snowden noch mehr Dokumente, die er Ihnen nicht übergeben hat?

Greenwald: Das ist möglich. Er hat keine weiteren Unterlagen bei sich, aber es könnte sein, dass er Zugang zu mehr Material hat.

ZEIT: Sie haben ihn nicht gefragt?

Greenwald: Nein, ich gehe davon aus, dass er es mir sagen würde, wenn er es für richtig hielte.

ZEIT: Sie schreiben in Ihrem Buch, Sie hätten Absprachen mit Snowden über die Veröffentlichung des Materials getroffen. Welche waren das?

Greenwald: Snowden wollte nicht, dass durch die Veröffentlichung irgendein Unschuldiger zu Schaden kommt. Außerdem hat er darauf bestanden, dass die Dokumente nicht alle auf einen Schlag, unbearbeitet, ins Netz gestellt werden. Er wollte, dass das Material journalistisch aufbereitet wird, dass eine Geschichte nach der anderen erzählt wird. So könne die Öffentlichkeit die Enthüllungen besser verstehen.

ZEIT: Haben Sie Ihr Buch vorab der NSA vorgelegt?

Greenwald: Ja, das müssen Sie tun, um einer strafrechtlichen Verfolgung zu entgehen, wenn Sie Geheimdokumente veröffentlichen.

ZEIT: Das steht so im Gesetz?

Greenwald: Nein, aber die Veröffentlichung von Staatsgeheimnissen ist strafbar, es sei denn, Sie machen es als Journalist. Und um zu zeigen, dass Sie journalistisch verantwortlich vorgehen wollen, konfrontieren Sie die Geheimdienste mit dem Material, damit sie erklären können, was wirklich gefährlich ist für die USA.

ZEIT: Haben Sie getan, was die NSA verlangt hat?

Greenwald: Wir haben nichts auf Anforderung der NSA redigiert. Wenn wir etwas geschwärzt haben, dann nur, weil wir Unschuldige schützen wollten.