Francis Bacon, Jeff Koons, Andy Warhol, Christopher Wool, Mark Rothko, Gerhard Richter, Barnett Newman, Jean-Michel Basquiat, Willem de Kooning, Peter Doig, Martin Kippenberger – und keine einzige Frau. All die Künstler, deren Werke diese Woche in New York bei den großen Frühjahrsauktionen mit zeitgenössischer Kunst für jeweils mehr als zehn Millionen Dollar versteigert wurden, sind Männer.

Warum ist das so? Hat etwa Georg Baselitz recht? Im vergangenen Jahr behauptete er in einem Interview, Frauen könnten einfach nicht so gut malen. Oder sind die hohen Preise für die Kunst der Männer nur ein weiterer Beweis für die Ungerechtigkeit des Auktionsmarktes?

Für diese These spricht das Angebot der Kunstmesse Frieze, die in New York am vergangenen Wochenende Zehntausende Besucher in ein riesiges Zelt auf die im East River gelegene Randalls Island lockte. Knapp zweihundert Galerien aus aller Welt stellten hier Tausende von Kunstwerken aus – und anders als in den Katalogen der Auktionshäuser war hier viel großartige Kunst von Frauen zu sehen. Die gefühlte Mehrheit der ausgestellten Arbeiten stammte ganz selbstverständlich und unabgesprochen von Künstlerinnen.

Das zeigte sich schon an den Ständen von zwei der mächtigsten Galerien der Welt. Der in Deutschland aufgewachsene und in New York lebende David Zwirner präsentierte einerseits Installationen von Donald Judd, andererseits aber Gemälde und Skulpturen der auf große wie kleine Punkte spezialisierten Japanerin Yayoi Kusama. Bereits zu Beginn des ersten Messetages verkaufte Zwirner einen gigantischen rot-weiß gepunkteten Kürbis von Kusama für 600.000 Dollar. So wie er übrigens auch all die anderen Werke an seinem Stand schnell verkaufte. "Wir erleben eine neue Rekordsaison", sagte David Zwirner, auf die allgemeine Stimmung am Kunstmarkt angesprochen – noch bevor die ersten Ergebnisse der Auktionen vorlagen. Die Galerie Hauser & Wirth, ein weiterer Global Player, verkaufte an ihrem Frieze-Stand derweil Kunst von Isa Genzken, Rita Ackermann und 36 mit roter Farbe gemalte Gouachen von Louise Bourgeois (1911 bis 2010), die allesamt eine barbusige Frau und einen nackten Mann zeigen – der ganz offensichtlich erregt ist.

Für ihre Scherenschnitte mit karnevalesk-drastischen Szenen der Ausbeutung in Zeiten der Sklaverei ist Kara Walker (Jahrgang 1969) bekannt, die Galerie Sikkema Jenkins bot ihr Auntie Walker’s Wall Sampler for Savages (2013) auf einer gut zehn Meter breiten, dreieinhalb Meter hohen Wand für 550.000 Dollar an. Parallel zur Kunstmesse durfte Walker in einer riesigen, dem Abriss geweihten Halle des Zuckerproduzenten Domino in Brooklyn eine noch viel größere, dreidimensionale Skulptur erschaffen: Die monumentale, über und über mit weißem Zucker bedeckte Sphinx mit dem karikierten Gesicht einer schwarzen Frau zieht seit dem vergangenen Wochenende die New Yorker Massen an. Walker erinnert mit dem süßen Material ihrer Skulptur mehr oder minder hintersinnig an die einstige Ausbeutung auf den Zuckerrohrplantagen in den Südstaaten; und sie zitiert Klischees und Projektionen – die Sphinx streckt einen mächtigen, wunderschön geformten Po gen Hallendecke.

Auch ältere Werke von schon länger aktiven – oder längst gestorbenen – Künstlerinnen erzählen von einer weiblichen Rückeroberung des eigenen Körpers und von sexueller Selbstermächtigung. Die in New York und Paris beheimatete Galerie Lelong etwa stellte das Werk der 87-jährigen, in Puerto Rico lebenden Zilia Sánchez unter dem Titel Heróicas Eróticas vor – unter ihren skulptural gespannten und dann bemalten Leinwänden war auch das minimalistisch abstrahierte, sich in den Raum wölbende Bild einer "schweigenden" Vagina von 1982 (für 70.000 Dollar). Das Messeprogramm der Galerie Lelong war so wie das vieler anderer Galerien quasi komplett weiblich: Neben dem Performance-Stück My Mommy is Beautiful von Yoko Ono – für das der Besucher, passend zum Muttertag, eine Huldigung an seine Mutter auf einen kleinen Klebezettel schreiben und dann an die Messewand kleben sollte – gab es auch sechs Fotografien aus dem Nachlass von Ana Mendieta zu kaufen: Für die Serie Glass on Body (1972) hatte sich die 1948 auf Kuba geborene, 1985 in New York unter nicht geklärten Umständen gestorbene Künstlerin eine Glasscheibe gegen ihren nackten Körper gepresst und ihn so auf groteske Weise deformiert (65.000 Dollar).