Jürgen und Monika Blankenburg-Stiftung

Sie ist klein, hat ein vergleichsweise geringes Vermögen – und ist damit viel typischer für die Hamburger Stiftungslandschaft als zum Beispiel die Koerber-Stiftung. Es lohnt sich deshalb, sie vorzustellen. Monika und Jürgen Blankenburg sind ein Ehepaar, sie wohnen in Winterhude. Er, 79 Jahre alt, war Versicherungsmakler und interessiert sich für Kunst. Sie, 75, spielt Cello. Die Stiftung, gegründet in den frühen 1990ern, sollte kulturellen Zwecken dienen. Ein Freund erzählte dem Ehepaar, dass er die Bibliothek des Michael-Balint-Instituts restaurieren lassen wolle. Dafür brauchte er Geld. So fanden die Blankenburgs ihre Nische. Noch heute wird die Hälfte des Geldes für die Restaurierung alter Bücher verwendet – ein Stiftungszweck, der zur Herzensangelegenheit geworden ist. Die Blankenburgs lieben alte Bücher, in der Schulbibliothek des Johanneums hat sich die Stiftung um die Encyclopédie von Diderot gekümmert. Außerdem haben sie wertvolle Streichinstrumente erworben, die sie jungen Musikern zur Verfügung stellen.

Vermögen: 1,9 Millionen, Fördermittel 2013: circa 20.000 Euro

ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius

Diese Stiftung gehört zu den ganz großen deutschen Stiftungen. Im Vergleich zu anderen Top-Ten-Stiftungen ist sie jedoch viel fokussierter. Etwa die Hälfte ihrer Fördermittel kommt zwei Großprojekten zugute, der privaten Rechtshochschule Bucerius Law School und dem Bucerius Kunst Forum am Rathausmarkt. Die häufig geäußerte Kritik, diese Ausrichtung habe etwas Elitäres, möchte Vorstand Michael Göring so nicht gelten lassen. Die Bucerius Law School erhebt zwar Studiengebühren, nimmt aber Studenten ungeachtet ihrer finanziellen Möglichkeiten an. 30 Prozent der Studierenden zahlt die gestundeten Gebühren erst zwei Jahre nach Aufnahme der Berufstätigkeit über zehn Jahre zurück. Das Kunst Forum, das wechselnde Ausstellungen zeigt, dagegen ist ein wenig elitärer geraten als geplant. "Wir haben gesagt, beim Kunst Forum begrüßen wir auch jeden, der mit der C&A-Tüte hereinkommt. Doch Kunstfremde zu uns zu holen haben wir nicht erreicht", sagt Göring. "Die Leute, die kommen, sind kunstaffin."

Vermögen: 850 Millionen, Fördermittel 2013: 24 Millionen Euro

Alfred Toepfer Stiftung

Was vielen anderen Stiftungen fehlt, hat diese Organisation: Humor. Vor einigen Jahren hat sie mit zwei weiteren Stiftungen eine Parzelle in einer Berliner Kleingartenkolonie gepachtet, eine Linde gepflanzt und Leute zu Lesungen und Gesprächsveranstaltungen eingeladen. Unter der Linde 1, so nannte die Toepfer-Stiftung ihren Schrebergarten – eine Anspielung auf die teuren Hauptstadtrepräsentanzen anderer Stiftungen. In Hamburg wiederum unterstützt die Toepfer-Stiftung Projekte in Bildung, Wissenschaft, Kultur und Naturschutz. Auch ein paar Preise vergibt die Stiftung, der wichtigste ist der Kairos-Preis. In der Vergangenheit kam es immer wieder mal vor, dass Toepfer-Preise von Preisträgern abgelehnt wurden. Warum? Weil der Unternehmer Alfred Toepfer sich auf verschiedenste Weise mit den Nationalsozialisten eingelassen hatte. Die Stiftung hat das Wirken Toepfers frühzeitig aufarbeiten lassen. Die Biografie ist 488 Seiten stark, im Büro am Georgsplatz hat sie einen prominenten Platz auf dem Bücherregal.

Vermögen: 90 Millionen, Fördermittel 2013: 1,6 Millionen Euro 

Körber-Stiftung

Die Körber-Stiftung besitzt genau die Hauptstadtrepräsentanz, über die sich die Töpfer-Stiftung lustig macht. Das Berliner Büro liegt am Pariser Platz, gegenüber vom Hotel Adlon. Dort, im Adlon, sagt der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Klaus Wehmeier, steigen die Leute ab, die bei der Körber-Stiftung regelmäßig zu Gast sind. Zuletzt war Chinas Staatspräsident da, Wehmeier hat ihn selbst interviewt. Überhaupt hält sich die Körber-Stiftung zugute, wichtige Leute miteinander ins Gespräch zu bringen, in Hamburg tut sie das vor allem im Körber-Forum. Der Stiftung wird ein Gespür für kommende Themen nachgesagt, zuletzt hat sie sich bemüht, das Thema Alter positiv zu besetzen. Das passt ganz gut, denn die Körber-Stiftung ist auch schon 55 Jahre alt. Von externer Evaluation hält Wehmeier wenig, er sagt, man evaluiere sich selber, und überreicht stattdessen einen Werbezettel, auf dem einige Gäste den Erfolg dokumentieren sollen. Henry Kissinger, George Soros, Angela Merkel. Solche Leute halt.

Vermögen: 522 Millionen, Fördermittel 2013: 17 Millionen Euro

Joachim Herz Stiftung

Über diese Stiftung und deren Vorstandsvorsitzende Petra Herz wird in Hamburg viel geredet. Sie war ganz plötzlich da, die Stiftung, nachdem Tchibo-Erbe Joachim Herz 2008 in den USA verunglückte und sein Geld dem Gemeinwohl vermachte. Vom Vermögen her liegt die Herz-Stiftung in Hamburg ganz vorne, doch schüttet sie bis jetzt eher wenig aus. Das ärgert die anderen Stiftungsmanager. Aber: Ein Großteil des Vermögens ist in Aktien des Beiersdorf-Konzerns gebunden, der geringe Dividenden zahlt, ein anderer Teil im darbenden US-Immobilienmarkt. Die Erträge, so sagt Pressesprecher Mirko Zapp, lägen weit unter den Erwartungen anderer Stiftungen; außerdem habe man anfangs Schwierigkeiten gehabt, aus dem Stand heraus große Projekte zu generieren. Vielleicht ändert sich das noch. Rings um die alte Kaffeerösterei in Langenhorn, in der Joachim Herz sein Büro hatte, entsteht gerade ein enormes Verwaltungsgebäude mit vielen Arbeitsplätzen. Irgendwann müssen dann halt die Projekte kommen.

Vermögen: 1,3 Milliarden, Fördermittel 2013: 7,5 Millionen Euro

Bürgerstiftung Hamburg

In diese Art Sammelstiftung können Hamburger Bürger ihr Vermögen einbringen. Außerdem verwaltet die Bürgerstiftung treuhänderisch andere Stiftungen. So ist seit dem Gründungsjahr 1999 ein kleines Vermögen zusammengekommen. Weil bei der Bürgerstiftung die prägende Stifterpersönlichkeit fehlt, geht es ein bisschen weniger hierarchisch zu, und die Personalkosten sind niedrig. Nur elf Leute arbeiten in der Stiftung, der Rest ist ehrenamtlich dabei, auch die Vorstände werden nicht bezahlt. Zur unprätentiösen Kultur passt, dass die Bürgerstiftung weniger auf groß angelegte Prestigeprojekte setzt als auf kleine lokale Aktivitäten. In Barmbek arbeitet ein kasachischer Gewichtheber mit Jugendlichen zusammen, die Bürgerstiftung unterstützt ihn, Titel: Die starken Jungs von Johann Martin. Auf St. Pauli spielen Schüler in einer Band mit einem Lehrer zusammen, das sind die Rock Kids St. Pauli. Und im Harburger Jugendclub Blechbeat nehmen ganz junge Musiker ihre Songs in einem Tonstudio auf.

Vermögen: 30,4 Millionen, Fördermittel 2013: 860.000 Euro