Zum ersten Mal reist ein Papst gemeinsam mit einem Rabbiner und einem Imam ins Heilige Land. Franziskus hat seine argentinischen Freunde Omar Abboud und Abraham Skorka gebeten, ihn zu begleiten. Eine Friedensgeste: die monotheistischen Religionen in Freundschaft vereint. Vom 24. bis 26. Mai ist der Papst in Jordanien, Palästina und Israel. Wir erklären einige der wichtigsten Stationen.

Samstag, 13.45 Uhr: Königspalast in Amman. Besuch beim Königspaar

Zuerst trifft der Papst einen Experten für friedliche Koexistenz. König Abdullah II. gehört zum muslimischen Hochadel, er führt seinen Stammbaum auf den Propheten Mohammed zurück – dem Aussehen nach aber könnte er auch in den Niederlanden regieren. Ungern trägt er traditionelle Kleidung. Seine Frau Rania wurde von der Bunten zum "Supermodel unter Europas Modeköniginnen" gekürt. Böse Zungen behaupten, dass der Monarch als Absolvent der besten Schulen Englands und Amerikas besser Englisch als Arabisch könne. Tatsächlich ist er einer der westlichsten Herrscher der Region. Sein Land ist ein Stabilitätsfaktor zwischen Syrien, dem Irak, Saudi-Arabien, Israel und Palästina – in "ruppiger Nachbarschaft", wie Abdullah selbst sagt.

Samstag, 16 Uhr: Stadion von Amman. Heilige Messe

Im Nahen Osten leben heute 14 Millionen Christen, viele in Angst. Seit den arabischen Umstürzen wurden christliche Minderheiten in Ägypten, im Irak und in Syrien immer wieder zu Sündenböcken und zu Opfern von Islamisierungswellen.

Samstag, 19 Uhr: Bethanien jenseits des Jordans. Begegnung mit Flüchtlingen

Die staubige Wüstenroute endet am Ufer des Jordans, wo Johannes der Täufer Jesus getauft haben soll. Im Mai ist der biblische Urstrom nur ein Rinnsal. Flüchtlinge stellen in Jordanien die Mehrheit der Bevölkerung, sie stammen meist aus Palästina. Im Zuge des Irakkriegs kamen Hunderttausende neue Heimatlose. Seit dem Bürgerkrieg in Syrien reißt die Flüchtlingswelle nicht ab.

Sonntag, 8.30 Uhr: Flughafen Amman. Start mit dem Hubschrauber

Der Direktflug nach Bethlehem, nicht nach Israel, unterstreicht die staatliche Anerkennung Palästinas durch den Vatikan von 2012. Rom gehört zu den wichtigsten Befürwortern der Unabhängigkeit.

Sonntag, 9.20 Uhr: Ankunft Bethlehem

Niemand kann sagen, welche Bedeutung das Wort Bethlehem genau hat. "Haus des Kampfes" oder "Haus des Brotes"? Oder vielleicht "Haus der Gottheit"? Bayt Lahm, wie es im Arabischen heißt, liegt im Westjordanland und gehört zu den Palästinensischen Autonomiegebieten, 30.000 Menschen leben hier, darunter relativ viele Christen. Als 1995 Jassir Arafat nach Bethlehem kam, stellten die Palästinenser zur Begrüßung ein Modell des muslimischen Felsendoms auf die Geburtskirche. Das war als Provokation gemeint, und die Christen in der Stadt verstanden es auch so. Sie revanchierten sich und errichteten große Kreuze auf ihren Dächern, nachts mit Beleuchtung. Damals war Bethlehem ein Haus des Kampfes.

In jedem religiösen Zeichen steckt ein Machtanspruch, ein leiser Triumphalismus: "Mein Glaube, dein Glaube. Mein Gott, dein Gott." Wann immer Religionen in Konflikt geraten, wann immer mit ihrer Wahrheit eine Gruppe definiert und eine andere ausgegrenzt wird, verwandelt sich das Haus des Brotes in ein Haus des Kampfes. Nun versucht der Papst das Unmögliche: In Bethlehem, im symbolischen Herzen des Christentums, will er eine Botschaft verkünden, deren Macht in ihrer vollständigen Machtlosigkeit besteht. Von ihrer Wahrheit soll keinerlei symbolische Gewalt ausgehen, sie muss alle Feindschaftslinien durchbrechen.

Gibt es diese Wahrheit? Es gibt sie, und sie ist weder postmodern unverbindlich noch ethisch beliebig – sie ist, im Sinn des Wortes, unmenschlich. Sie lautet, dass dem Zirkel aus Gewalt und Rache erst dann Einhalt geboten wird, wenn alle innehalten und sich das Leid ihrer Feinde vorstellen. Diese Wahrheit ist offenkundig nicht von dieser Welt, es handelt sich um politische Mystik, die mit allem bricht, was Realisten gemeinhin glauben. Politische Mystik bildet den geheimen Kern monotheistischer Überlieferung, und selbst zweitausend Jahre Religionsgeschichte haben nicht ausgereicht, sie zu verschütten. "Du sollst deinen Feind lieben." An diesem Satz wird alle Macht zuschanden, selbst die Macht der Religion.

Sonntag, 9.30 Uhr: Präsidentenpalast Bethlehem. Besuch bei Mahmud Abbas

Das Geschenk des Papstes sollte eine Hoffnung erfüllen: Mahmud Abbas wollte mit dem Füllfederhalter, den er von Franziskus in Rom bekam, einen Friedensvertrag unterschreiben – das sagte der Palästinenserpräsident im Oktober 2013, als er auch die Einladung ins Heilige Land aussprach. Im Dezember kündigte Franziskus seine Reise an. Da hatten die Vermittlungsversuche des amerikanischen Außenministers John Kerry noch Aussicht auf Erfolg. Unermüdlich rang er um eine Einigung zwischen Israel und Palästina. Doch sein Optimismus, den er tapfer in die Kameras bezeugte, hatte immer weniger Gründe: Was als umfassendes Friedensabkommen geplant war, schrumpfte zum Rahmenabkommen und schließlich zur offiziellen Gesprächspause.