Vor drei Tagen habe ich 50 Euro abgehoben. Gerade drücke ich dem Kassierer den letzten 5-Euro-Schein in die Hand. Wer sich häufiger fragt, wohin das Geld verschwindet, dem könnte ein Haushaltsbuch helfen: ein Notizbuch, in dem man alle Einnahmen und Ausgaben einträgt, um den Überblick zu behalten. Aber das bedarf sehr großer Disziplin. Alle Belege zu sammeln, sich am besten jeden Abend hinzusetzen und alles einzutragen, das Buch mit Kontoauszügen und anderen Abrechnungen abzugleichen – das ist mühsam.

Nach drei Wochen gebe ich auf. Doch es existiert eine Alternative: Kleine Programme für internetfähige Telefone ersetzen die klassischen Haushaltsbücher aus Papier. Diese Apps sind immer greifbar, um auch kleine Einkäufe zu notieren, die man sonst vergisst. Kaffee: zwei Euro, Kuchen: fünf Euro, Eis: zwei Euro. Die Hemmschwelle, derlei Kleckerbeträge einzutragen, sinkt. Und man lernt schnell: Oft sind sie es, die sich summieren.

Nur 18 Prozent der Haushalte in Deutschland führen laut den Marktforschern der Gesellschaft für Konsumforschung Buch über Einnahmen und Ausgaben. Zugleich sind etwa zehn Prozent der Deutschen verschuldet. Es heißt, es fehle ihnen an Finanzkompetenz: Sie könnten nicht planen oder wüssten nicht, wie viel Geld ihnen nach Abzug der Fixkosten noch bleibe.

Das weiß ich auch nicht. Meine Fixkosten sind mit rund 1.100 Euro immer gleich hoch, die Einnahmen aber schwanken stark. In einem Monat landen 500 Euro auf meinem Konto, im nächsten 3.000. Schulden habe ich nicht, aber besonders kompetent fühle ich mich auch nicht – und ich habe keinen Überblick, wie viel Geld ich jeden Monat für Einkäufe, Tanken und Bücher ausgebe.

Drei Apps probiere ich einen Monat lang aus, um das zu ändern: "Meine Ausgaben", ein sehr einfaches Programm mit vordefinierten Kategorien; "Mein Haushaltsbuch", in dem ich auch Daueraufträge eintragen kann und das mir Daten in Statistiken und Diagrammen aufbereitet; und den "VSB Haushaltsplaner" für Computer, der ähnlich differenziert ist wie "Mein Haushaltsbuch" und sich mit dem Handy synchronisieren lässt. "Mein Haushaltsbuch" kostet einmalig 2,50 Euro, die anderen beiden Apps sind gratis.

Es geht los: sieben Euro fürs Mittagessen, zwei Euro für einen Kaffee, 23 Euro fürs Tanken, 10,80 Euro im Supermarkt. Die App "Meine Ausgaben" ist simpel zu bedienen, hat kein aufwendiges Layout, die voreingestellten Kategorien sind praktisch: Lebensmittel (Restaurant oder Supermarkt), Freizeit (Bücher oder Kino), Kfz-Kosten (Kraftstoff). Einmal notierte Empfänger einer Buchung merkt sich das Programm, das hilft dem, der oft im selben Supermarkt einkauft oder beim selben Chinesen zu Mittag isst. Ein Problem: Die Zahlen in der Übersicht sind sehr klein. Jede Ausgabe, die ich bei der Buchung mit einem Minus-Vorzeichen eingebe, erscheint in der Übersicht rot, die Einnahmen sind grün. In einem Monat sind von den 45 Buchungen nur drei grün.

Es empfiehlt sich bei jeder App, am Anfang den aktuellen Kontostand als Startguthaben einzugeben, um stets ein realistisches Bild der Lage zu haben. Jede Einnahme und Ausgabe zu notieren ist auf dem Handy leichter als bei einem Haushaltsbuch aus Papier. Trotzdem – bald hänge ich immer wieder ein paar Tage hinterher und muss nachtragen.

Lieber als nur eine lange Liste mit Zahlen wäre mir ein umfassenderes Haushaltsbuch, das weitere Informationen enthält und leichter erlaubt, Schlüsse aus all den Daten zu ziehen.

Eines Tages zum Beispiel zu erfahren, wie viel ich im Laufe meines Lebens verdient habe – dabei könnte mir die App "Mein Haushaltsbuch" schon eher helfen. Sie ist schöner gestaltet als die App "Meine Ausgaben", und schnell wird klar, warum es sich lohnt, dafür 2,50 Euro auszugeben: Meine Fixkosten muss ich hier nur einmal erfassen, sie werden dann jeden Monat aufs Neue abgebucht – 400 Euro Miete, 95 Euro Energiekosten, 190 Euro Krankenversicherung, 246 Euro sonstige Versicherungsbeiträge und Altersvorsorge, 180 Euro Büromiete, 14 Euro Mitgliedsbeiträge.