Eine schlechte Nachricht und eine ganz schlechte. Zuerst die schlechte: Immer weniger junge Menschen beginnen eine Berufsausbildung.

Noch nie seit der Wiedervereinigung wurden so wenige Ausbildungsverträge geschlossen wie im vergangenen Jahr. Damit schwindet der Nachwuchs an Facharbeitern, die die deutsche Wirtschaft so stark gemacht haben. Die Ursache liegt in der Demografie; in Deutschland wurden in den letzten Jahren weniger Kinder zur Welt gebracht als früher. Zusätzlich drängt es den Nachwuchs weg vom Lehrlingsdasein, hin zum karriereträchtigen Hochschulstudium. Zumindest mittelfristig sind diese Trends nicht zu stoppen, unabhängig davon, ob man es überhaupt will oder nicht.

Nun die ganz schlechte Nachricht: Jeder fünfte 15-Jährige ist nicht einmal reif für eine Berufsausbildung. Er kann nämlich weder richtig lesen noch rechnen, das hat die Pisa-Studie gezeigt. Wie soll der Bedarf an Lehrlingen da gedeckt werden?

Nimmt man diese beiden Nachrichten zusammen, sieht es allerdings gar nicht mehr so düster aus. Denn die Bildungsverlierer sind eine Reserve, die sich mobilisieren lässt. Dafür müssen natürlich alle etwas tun. Die Jugendlichen müssen sich anstrengen, ihre Defizite auszugleichen, die Schule muss die Zahl der Bildungsverlierer dringend reduzieren, und die Unternehmen müssen einen Teil der jungen Leute nachqualifizieren (kleinen Betrieben und Handwerkern sollte der Staat dabei helfen).

Das kostet Kraft, erfordert Fantasie und Geld. Aber es lohnt sich: für die Wirtschaft, die Fachkräfte braucht; für die Gesellschaft, die sozialen Frieden wünscht; nicht zuletzt für die Jugendlichen, die sich nach einem erfolgreichen und glücklichen Leben sehnen. Es wäre schön, wenn auf diese Weise aus zwei schlechten Nachrichten eine gute würde.