Was wäre die österreichische Innenpolitik, wenn es nicht die bunten Schautafeln mit ihren simplen und selten klugen Sprüchen gäbe? Im Grunde wäre ohne sie wahrscheinlich gar nicht zu verstehen, was bei einer Sitzung im Nationalrat vor sich geht und wie Demokratie funktioniert. Erst das Taferl bringt das Geschehen auf den Punkt. Dieses Instrument der Volksaufklärung geht zurück auf den großen Erklärer Jörg Haider, bei dem der hingekritzelte Kalauer zumeist auch Programme und Ideen ersetzte. Deshalb sprach man auch von gerne von taferln, wenn er sich politisch betätigte. Diesem Lehrmeister zollte nun auch die neue Partei der Neos Tribut. Sie sind gewissermaßen die Taferlklassler des Parlaments. Bei der Budgetdebatte in der vergangenen Woche verließen sie unter Protest den Plenarsaal und hinterließen Schilder mit dem Text "Sorry, wegen #budgettricks geschlossen". Daraufhin bewiesen auch die als eher verstockt geltenden Regierungsparteien ihren Sinn für Infantilität. Die nunmehr vakanten Sitze wurden mit pinkfarbenen Luftmatratzen und Schwimmreifen belegt. Und wie immer, wenn’s am Pausenhof hoch hergeht, kannte das Gaudium keine Grenzen. Auch Taferln mit Texten wie "Bin im Schwimmbad" oder "Bin Bäume umarmen" wurden im irrtümlich Hohes Haus genannten Gebäude platziert. Leider hatten die Neos dann keine Gelegenheit mehr, sich mit Konfetti oder Juckpulver zu revanchieren. Sie nutzten vielmehr das schöne Wetter, um den Leuten auf der Straße zu erklären, wie richtig lustig Demokratie sein kann. Ob diesmal mit Worten, ist nicht ganz klar. Es ist ein ebenso honoriger wie vernünftiger Ansatz, das Parlament auf die Straße zu verlegen. Nicht zuletzt aufgrund seiner Bausubstanz scheint das auch vom Sicherheitsaspekt her sinnvoll zu sein. Außerdem kann dort Inspiration gesammelt werden für neue lustige Aktionen. Legislative soll und kann Spaß machen. Wer weiß, vielleicht wird dann bei wichtigen Fragen in einem künftigen Straßenparlament ganz anders abgestimmt. Etwa durch lautes Hupen oder durch rhythmischen Sprechgesang, wie er bei Demonstrationen üblich ist. Ach was, Kinder an die Macht!