Die Geschichte klingt, als stamme sie aus Thomas Manns Hochstaplerroman Felix Krull oder Jaroslav Hašeks Bravem Soldaten Schwejk: Monatelang fuhr der Husar Müller 1915 ziellos durch Deutschland – vollkommen unbehelligt, wie eine Militärbehörde später mitteilte, denn die Tarnung des Fahnenflüchtigen war nahezu perfekt. Mit gefälschten Ausweispapieren hatte er sich einen Kraftwagen der Heeresverwaltung erschlichen. Einmal stellte man den Deserteur sogar und verhaftete ihn, doch im Verhör "gelang es ihm durch die Ausweispapiere und sein sicheres Auftreten, seine Freilassung zu erwirken". So steht es in einem Bericht des stellvertretenden Generalkommandos im westfälischen Münster. Über die Herkunft dieses kühnen Deserteurs und sein weiteres Schicksal nach seiner Ergreifung gibt das Dokument leider keine Auskunft.