Die Spielvereinigung Kreuther Fürz ist ins Gerede geraten. Einen ersten Hinweis lieferte uns Leser H. aus Wildbad Kreuth, der sich über die Verunglimpfung seiner Heimatstadt durch stete Falschschreibung in den Medien beschwerte. Wir waren überrascht. Kann das sein? Wir googeln kräftig und stellen fest, er hat recht. Es heißt richtig: Spielvereinigung Kräuter Furz. Aber mit unserer Richtigstellung ist Leser H. noch nicht zufrieden. Wir sollten auch einmal recherchieren, was dieser saubere Verein so treibe, und dabei nach den Stichwörtern "Teebeutel" und "Wette" suchen. Wir googeln wieder kräftig, finden aber diesmal – nichts. Beziehungsweise werden immer nur auf die Einträge "Teebeutelrakete" und "Teebeutel rauchen" verwiesen.

Jetzt wird Leser H. richtig sauer. Wir sollten uns keine Joints drehen (besonders die Geschmacksrichtung Waldkirsch sei extrem halluzinogen) und auch nichts mit Pyrotechnik am Arbeitsplatz anfangen (die Scheißbeutel gingen durch die Zimmerdecke wie durch Butter), sondern mal gucken, was die anderen Vereine wie Bertha TBC, Entropie Cottbus oder Hickser Offenbach so machen. Wir sind ratlos.

Wir rufen Leser H. an. Was heißt TBC? Leser H. schreit es fast in den Hörer: "Tee-Beutel-Wett-Vereinigung, äh, -Club natürlich!" Und in der Tat, weit unterhalb der öffentlichen Wahrnehmung, die sich allzu lange auf Fußballwetten konzentriert hat, ist eine neue, fast schon hysterische Form der Wette entstanden, die sich auf die geschätzten Absatzzahlen von Teebeuteln richtet. Leser H.: "Wissen Sie überhaupt, wie viele Geschmacksrichtungen es inzwischen gibt? Pusteblume, Löwenzahn, Milchzahn, Zahnrad, Getriebeöl – es sind Hunderte, ach was, Tausende! Mit den Stilltees fing es an, dann kamen Hebamme, Windel, Holzspielzeug dazu, das Neueste ist Lego!" Leser H. weint jetzt beinah, fasst sich aber und fährt fort: "Und da gehen die Clubmitglieder jetzt an die Supermarktregale und schätzen, wie sich die einzelnen Aromen verkaufen, und wenn der Filialleiter ihnen recht gibt, haben sie gewonnen!" In resignierter Schicksalsergebenheit setzt Leser H. hinzu: "Die meisten Filialleiter sind natürlich bestochen."

Wir können seine Niedergeschlagenheit nachvollziehen, verstehen aber plötzlich, woher all die neuen Fußballverein-Ableger kommen, Mensa Rostock, Einmach Frankfurt und wie sie alle heißen. Fußball ist einfach nicht mehr das große Ding. Teebeutel ist angesagt, und da wird man in Brasiliens Stadien gewiss noch manch heiße Weitwurfwettbewerbe erleben.

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