Das Ergebnis ist deutlich: An 46 der 60 staatlichen Gymnasien haben sich die gewählten Vertreter von Lehrern, Schülern und Eltern für eine Beibehaltung des Abiturs nach acht Jahren ausgesprochen. Nur an sechs Gymnasien wünschen sich die Schulkonferenzen die Möglichkeit, das Abitur nach neun Jahren wieder einzuführen. Insgesamt haben sich etwa 76 Prozent der befragten Schüler, Eltern und Lehrer gegen eine Wiedereinführung von G 9 ausgesprochen.

Mit einem so eindeutigen Ergebnis habe er nicht gerechnet, sagte Schulsenator Ties Rabe bei der Vorstellung der Ergebnisse der Umfrage. Er sehe daher keinen Anlass, die Schulstruktur zu ändern: An Gymnasien gibt es das Abitur nach acht Jahren, an Stadtteilschulen nach neun. Aber auch die Initiative G9-Jetzt-HH fühlt sich angespornt: Sie sei stolz, dass sich so viele Schulen gegen den Druck gestemmt hätten, sagte Sprecherin Mareile Kirsch.

Die Fronten sind damit klar. Es gibt keine Hoffnung mehr auf einen Kompromiss. Nach den Sommerferien wird die G-9-Initiative beginnen, Unterschriften für einen Volksentscheid im Sommer 2015 zu sammeln. Das ist gut so. Denn es gibt nun allen Seiten ausreichend Zeit und Gelegenheit zu debattieren, was schiefläuft in unseren Schulen – und wie man die Missstände beheben könnte.

Dabei ist schon abzusehen: Eltern und Lehrer werden wieder streiten, Politiker und Experten werden sich äußern, Wissenschaftler können Studien zitieren über das, was gut ist für die Schüler. Aber was denken die Schüler eigentlich selbst? Wie sehen sie G 8 und G 9? Wie erleben sie den Schulalltag, und wie sollte gute Schule ihrer Meinung nach aussehen?

Wir haben vier Schüler aus unterschiedlichen Stadtteilen und Schulformen gebeten, von ihrer Lebenswirklichkeit zu erzählen. Sie haben das bereitwillig getan, so offen, dass eine von ihnen zuletzt nicht mit echtem Namen genannt werden wollte. Vielleicht wäre es sinnvoll, im Streit öfter mal diejenigen zu Wort kommen zu lassen, über deren Alltag gestritten wird.

Es ist gut, dass der Senat Ruhe bewahrt und nicht im vorauseilenden Gehorsam begonnen hat, an den Grundfesten des Schulsystems zu schrauben. In NRW, Hessen und Niedersachsen wurde G 8 jüngst ganz oder teilweise wieder abgeschafft. Nicht weil G 9 das bessere pädagogische Modell ist, sondern weil Eltern die Reform gefordert hatten. Hamburg hat nun die Möglichkeit, es besser zu machen.

Dafür ist zu hoffen, dass die Politik sich nun nicht auf den Ergebnissen der Schulumfrage ausruht. Die G-9-Debatte ist Ausdruck einer weitverbreiteten Unzufriedenheit. Viele erhoffen sich von einer längeren Schulzeit eine Verringerung des Leistungsdrucks für die Schüler, eine Rückkehr zur angeblichen Qualität der Schule von früher. Experten warnen: Die Erwartung, dass G 9 Abhilfe schafft, ist trügerisch. Aber das heißt nicht, dass es das Problem und die Sorgen nicht gibt.

Die Monate bis zum Bürgerbegehren sollten nun genutzt werden, um die Debatte von der Frage nach der Länge der Schulzeit abzukoppeln. Wir können zunächst fragen: Wo liegt das Problem? Und dann: Wie können wir es lösen? Am Ende steht es allen offen, mitzuentscheiden, ob sie in G 9 eine Lösung sehen.