Das Jüdische Museum im Vorarlberger Städtchen Hohenems wagt eine große These: Die Juden des Habsburgerreichs seien die ersten transnational denkenden Europäer gewesen. Objekte aus sieben Jahrhunderten haben die Macher der kleinen, aber aufschlussreichen Schau versammelt: Tagebücher, Reliquien, Münzen und Plakate. Besonders eindrücklich illustriert der oben gezeigte Davidstern mit dem Konterfei des lorbeerbekränzten Kaisers Franz Joseph I. das Selbstverständnis der Juden in der k. u. k. Monarchie: Am Ende gab es auf deren Gebiet mehr als 400 jüdische Gemeinden, geeint durch einen, wie die Kuratoren betonen, "europäischen Horizont" und eingebettet in grenzüberschreitende Netzwerke.

Und doch: Waren die Juden in der Habsburgermonarchie nicht eher Zwangskosmopoliten als überzeugte Europäer? Und strebten nicht viele von ihnen eher nach lokaler Anerkennung denn nach transnationalen Kontakten? Auch solche kritischen Fragen haben in Hohenems Raum. Was die Aussagekraft der Ausstellung nicht mindert. Im Gegenteil: Die europäische Idee, so zeigt sie, war für die Juden in Österreich und Ungarn zumindest eine Möglichkeit, sich zu entfalten und zu behaupten. So birgt ihre Geschichte ein unabgegoltenes Versprechen, an das sich bis heute anknüpfen lässt.

"Die ersten Europäer", bis 5. Oktober, Jüdisches Museum Hohenems, Schweizer Str. 5, Tel. 0043-5576/73 98 90