Vor genau 30 Jahren haben wir über die Volksinitiative "Gegen den Ausverkauf der Heimat" abgestimmt. An jenem 20. Mai 1984 stand sinnigerweise auch die Volksinitiative "gegen den Missbrauch des Bankgeheimnisses und der Bankenmacht" auf dem Abstimmungszettel, mit der wir einige unerfreuliche Entwicklungen in der Finanzbranche hätten verhindern können. Während die Bankeninitiative zersägt wurde, gelang der Rechtsaußenpartei Nationale Aktion mit ihrem Volksbegehren fast eine Sensation.

Die Initiative wollte den Erwerb von Grundstücken und Ferienwohnungen nur noch Personen erlauben, die in der Schweiz wohnsitzberechtigt sind – also niedergelassenen Ausländern und Schweizern.

Mehrheitlich urban geprägte Kantone nahmen die Initiative an. Ländliche Gebiete aber befürchteten damals dieselben wirtschaftlichen Probleme wie heute bei der Zweitwohnungsinitiative. Entsprechend klar scheiterte die Initiative am Ständemehr.

Und doch: Fast 49 Prozent der Bevölkerung waren für die Initiative und ihre scharfen Beschränkungen. Ganz besonders in den großen Städten. Auch deshalb wurde der indirekte Gegenvorschlag, die Lex Koller, später mehrmals verschärft.

In den 30 Jahren hat sich viel getan. Zum Beispiel in China. So dürfen Chinesen in Städten wie Shanghai nur zwei Appartements pro Haushalt besitzen. Wer kann, investiert deshalb in ausländische Immobilien. Am liebsten krisensicher. In Sydney geht heute jede fünfte Immobilie an chinesische Investoren, was die Preise in die Höhe treibt. Unterdessen versucht Australien die eigene Bevölkerung vor dem chinesischen Geldfluss zu schützen. Das wiederum spüren weitere attraktive Standorte: London, Paris oder Berlin. Aber auch die Schweiz.

Zwar ist bei uns der Grundstückerwerb durch Personen im Ausland bewilligungspflichtig. Doch gilt dies nicht für Geschäftshäuser – und ebenso wenig für börsenkotierte Immobilienfonds. Je mehr Länder wirtschaftlich wackeln und je mehr Länder ihre Immobilienmärkte wie China oder Australien zum Wohl ihrer Einwohner schützen, desto mehr Geld fließt auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten in die Schweiz. Und dabei am liebsten in den Immobilienmarkt.

Die Folgen sind verheerend: Das ausländische Geld befeuert die Explosion der Schweizer Mieten. Gewerbler und der Detailhandel können sich die Zinsen zusehends nicht mehr leisten. Zumal auch Schweizer Milliarden auf der Suche nach einer Anlage sind.

Prominentestes Beispiel dieser Preisspirale ist das Warenhaus Manor an der Bahnhofstraße in Zürich. Es ist in seiner Existenz bedroht, weil der Besitzer, der Versicherungsriese Swiss Life, den Mietzins verdreifachen will.

Noch vor ein paar Jahren wollte der Bundesrat die Lex Koller aufheben. Heute ist davon keine Rede mehr. Im Gegenteil: Er befürwortet sogar, dass dem Gesetz die früher gezogenen Zähne wieder implantiert werden. Die Ausnahmen für Geschäftshäuser und börsenkotierte Immobilienfonds sollen fallen – und der Gewinn aus Bodengeschäften muss wieder in der Schweiz bleiben. Der Nationalrat hat dem einstimmig zugestimmt. Am Montag kommt das Geschäft in den Ständerat, direkt in die Eröffnungssitzung der Sommersession.

Aufgeschreckt durch das klare Ergebnis im Nationalrat, organisiert sich unterdessen der nervöse, aber massive Widerstand der Anlagelobby; angeführt durch den ehemaligen Swiss-Re-Verwaltungsratspräsidenten Peter Forstmoser. Das bisher schrägste Argument dieser Ausverkäufer der Heimat, das ich gehört habe: Die Schweiz sei auf Geld aus dem Ausland angewiesen, weil die hiesigen Immobilienpreise für Schweizer zu hoch seien. Da staune ich nur noch Bauklötze!

Nächste Woche in unserer Kolumne "Nord-Süd-Achse": der Tessiner Financier Tito Tettamanti