DIE ZEIT: Frau Sonne, Ihr Unternehmen will den Kaffeemarkt aufmischen – mit Maschinen für Privatleute, die Bohnen nicht nur mahlen und aufbrühen können, sondern auch rösten. Warum soll man das zu Hause machen?

Nathalie Sonne: Weil es frischer schmeckt. Je länger geröstete Kaffeebohnen lagern, desto mehr Säure entwickeln sie. Und die macht den Kaffee so bitter.

ZEIT: Wie kamen Sie auf die Idee?

Sonne: Der Gründer Hans Stier arbeitete damals bei RWE, er stolperte über die Regelungen zur Lebensmittelsteuer und sah, dass ungeröstete Bohnen von der Steuer ausgenommen sind. Wenn man also die grünen Bohnen nach Deutschland importiert und erst hier röstet, ist das billiger. Und ihm fiel die komplexe Wertschöpfungskette auf – bis zu 17 Zwischenschritte und insgesamt sechs Monate liegen zwischen dem Farmer, der das Produkt anbaut und erntet, und dem Konsumenten, der die Bohnen aufbrüht.

ZEIT: In Deutschland werden 2.315 Tassen Kaffee getrunken, pro Sekunde. Die Nachfrage ist also da – auch nach Ihrer Maschine?

Sonne: Über Crowdfunding-Plattformen konnten wir bereits mehr als 800.000 Dollar Startkapital einsammeln und knapp 3.000 Menschen aus der ganzen Welt für unsere Idee begeistern. Innerhalb von 15 Stunden hatten wir auf Kickstarter unser Finanzierungsziel erreicht und fanden uns in den amerikanischen Medien wieder – obwohl wir ein Berliner Unternehmen sind. Die Resonanz war überwältigend und bestätigte uns darin, dass wir einen Nerv getroffen haben.

ZEIT: Die Kaffeebohnen für Ihre Maschine kommen direkt vom Bauern. Wird der Rohstoff günstiger sein, weil die Zwischenhändler wegfallen?

Sonne: Noch haben wir keine fixen Preise, wahrscheinlich ist, dass ein Pfund rund sechs Euro kosten wird. Uns geht es aber auch nicht darum, den Preis zu drücken, sondern darum, die Margen der Bauern zu erhöhen. Wir wollen den Kunden ein gutes Produkt liefern, aber nicht zu Dumpingpreisen.

ZEIT: Mit Ihrer Maschine werden Kaffeeproduzenten wie Nestlé oder Kraft Foods überflüssig. Was sagen diese Konzerne zu Ihrer Idee?

Sonne: Deutschland hat die größte Röstungsindustrie der Welt und damit eine große Lobby. Von den Unternehmen, denen wir unsere Idee vorstellten, reagierten viele herablassend, manche waren auch fasziniert. Trotzdem müssen wir realistisch bleiben – wir werden jetzt nicht den gesamten Röstmarkt übernehmen.

ZEIT: Auf der Facebook-Seite von Nespresso erfährt der User von neuen Sparangeboten. Bei Ihnen steht, dass einer der Bauern Henry Hueck heißt. Wie wichtig sind die Sozialen Netzwerke für Ihr Projekt?

Sonne: Sie sind die Basis! Bonaverde soll ähnlich wie ein Marktplatz funktionieren, dort sehe ich ja auch, wer mir das Gemüse verkauft. Uns geht es um Transparenz: Die Kunden sollen erfahren, wer ihre Bohnen angebaut hat und wo. Bislang haben wir drei Bauern an Bord, wir kennen sie persönlich und waren sogar selbst vor Ort. Einer sagte mir, dass es ihm darum gehe, seinen Namen auf der Packung stehen zu sehen. Das Massenprodukt Kaffee bekommt dadurch wieder einen persönlichen Charakter.

ZEIT: Wenn die Maschine nicht nur mahlt und brüht, sondern auch röstet – verbraucht sie auch mehr Strom?

Sonne: Ja, ein bisschen. Der Verbrauch ist vergleichbar mit dem einer handelsüblichen Kaffeemaschine plus dem halben Verbrauch eines Toasters.