Es war die Zeit, als der Konstruktivismus in Rio de Janeiro den Hüftschwung lernte. Die Errungenschaften von Malewitsch, El Lissitzky und dem Bauhaus waren erst um 1950 in Brasilien angekommen. Seither bestimmte der Concretismo aus immer wieder neu kombinierten Quadraten, Kreisen und Streifen die Kunst. Lygia Clark und anderen Avantgardisten in Rio war dies 1959 zu mathematisch geworden, als sie in ihrem Neokonkreten Manifest einen neuen Humanismus der abstrakten Kunst forderten. So geriet die Geometrie in Bewegung, lernte tanzen, eroberte sich den Raum. Clarks Bichos (Kreaturen) sind handliche, bewegliche Aluminiumscheiben, Dreiecke, Quadrate oder Kreissegmente, verbunden durch Scharniere – der Betrachter soll Hand anlegen, die Vielfalt der Kompositionen ausprobieren und so zum Teil der Skulptur werden. Phillips ruft nun am 29. Mai bei seinem Latin America Sale den besonders schönen Bicho parafuso sem fim von 1960 aus vergoldetem Aluminium auf (Durchmesser: ca. 50 cm). Die Taxe von 1,5 bis 2,5 Millionen Dollar ist nicht unrealistisch.