Kartoffelbrei mit Fisch, Ei, Gurken, Roter Bete. Das Ganze von einer Farbe, wie schon einmal verdaut: Labskaus. Das Wort stammt aus dem Lettischen und bedeutet: gute Schüssel. Erfunden wurde Labskaus auf See, als ein findiger Smutje haltbare Lebensmittel wie gepökeltes Fleisch, Kartoffeln und Gurken zusammenmanschte.

Bei der ersten Labskaus-Meisterschaft, die gerade in Lübeck stattfand und zu der fünf der besten Restaurants der Stadt antraten, zeigte sich, dass Labskaus nicht gleich Labskaus ist, auch wenn die Grundzutaten stets dieselben sind. Während die einen darauf schwören, das Fleisch müsse bis zu zwölf Wochen gepökelt werden, setzen die anderen auf Gewürze. Liebstöckel, Lorbeer und Piment muss, Petersilie kann.

Der Einfluss kulinarischer Weiterentwicklung beschränkt sich bei dieser zünftigen Kost zum Glück nur aufs Experimentieren mit Majoran und Estragon. Zum Glück. Die Tofu-Variante nämlich wäre ein geschmacklicher Graus und außerdem eine Unterwerfung unter die politisch-kulinarische Korrektheit.

Labskaus ist mehr als ein Gericht, es ist ein Bekenntnis der Zugehörigkeit zu einer Wertegemeinschaft. Wer Labskaus liebt, den kann die Wellness-Küche mal gernhaben. Essen ist schließlich nicht Yoga für den Magen. Labskaus, du bist die Speise wahrer Kerle und Weibsbilder, die Bodenhaftung und nichts gegen Schmutz unter den Fingernägeln haben.