DIE ZEIT: Herr Mosley, Sie sind 74 Jahre alt. Setzen Sie sich jetzt zur Ruhe?

Max Mosley: Warum sollte ich?

ZEIT: Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat entschieden, dass Google bei seiner Suche die Verbindungen zu Seiten löschen muss, die Persönlichkeitsrechte verletzen. Dafür setzen auch Sie sich ein, seit im Internet Sadomaso-Fotos von Ihnen kursieren. Ist Ihr Kampf gewonnen?

Mosley: Nein, das ist er nicht. Immerhin haben die Richter klargestellt, dass eine unabhängige Stelle darüber entscheiden muss, in welchen Fällen die Persönlichkeitsrechte schwerer wiegen als das Informationsinteresse der Öffentlichkeit. Und dass Google sich europäischem Recht unterwerfen muss, auch wenn die Server in Kalifornien stehen. Das ist ein Fortschritt.

ZEIT: Weiter nichts? Genau deshalb streiten Sie sich doch seit fünf Jahren mit Google.

Mosley: Von dem Urteil habe ich trotzdem erstmal nicht viel.

Vor Gericht gewonnen, im Netz verloren

ZEIT: Warum nicht? In Paris und Hamburg haben Sie in erster Instanz gewonnen, Google darf in Frankreich und Deutschland auf die meisten Fotos nicht mehr verweisen. Der EuGH scheint das nun ähnlich zu sehen.

Mosley: Es geht bei mir schon längst nicht mehr darum, ob Google die Verweise löscht. Dazu ist das Unternehmen bereit. Die zentrale Frage ist, ob es das automatisch tut oder nicht. Bisher muss ich sie ständig dazu auffordern, denn jedes Mal, wenn jemand in Uruguay oder Kasachstan eins der Bilder hochlädt, setzt die Suchmaschine automatisch einen neuen Verweis. Meine Anwälte durchforsten das Netz deshalb ständig nach Fotos. Ich glaube nicht, dass das EuGH-Urteil daran sofort etwas ändern wird.

ZEIT: Das hieße ja: Sogar wenn man vor Gericht recht bekommt, muss man für dessen praktische Umsetzung selbst sorgen, wenn man sich mit einem globalen Internetriesen angelegt hat.

Mosley: Google behauptet, nicht die technischen Mittel zu besitzen, meine Bilder aus Suchanfragen herauszufiltern. Aber wenn man Fotos von Obama hochlädt, findet Google sofort ein paar Tausend weitere. Das System erkennt also ähnliche Bilder von derselben Person sehr wohl. Das bedeutet: Google lügt!

ZEIT: Der Konzern sagt, beim automatischen Löschen verschwinden zu viele Informationen.

Mosley: Google schafft es einfach nicht, ehrlich zu sein. Kinderpornografie wird doch beispielsweise auch automatisch blockiert.

ZEIT: Sie wirken verärgert.

Mosley: Google hat das Gericht mit 240 Seiten über die simple Frage aufgehalten, ob das, was mir rechtlich zusteht, auch automatisch getan werden kann. Reine Verzögerungstaktik! Google hat einfach unbegrenzte finanzielle Mittel.

ZEIT: Was soll das dem Unternehmen bringen?

Mosley: Wahrscheinlich hoffen sie dort, dass ich sterbe, bevor es zu einer endgültigen Entscheidung kommt. Aber den Gefallen tue ich ihnen nicht. Ich werde unerbittlich sein. Mein Instinkt sagt mir: Du sollst kämpfen, selbst wenn die andere Seite größer und stärker ist.