Hamburg sollte also zur "Panik City" werden. Damit ist nicht eine neue Bambule-Runde im Schanzenviertel gemeint, sondern eine touristische Attraktion. Udo Lindenberg, Deutschlands prominentester Schlapphut, hoffte auf den Zuschlag der Stadt für ein Museum in eigener Sache. Es gab Verhandlungen, wohl auch das eine oder andere Konzept, man bot ihm Räume in der HafenCity an. Am Ende hieß es aus der Kulturbehörde: "Die Gespräche bezüglich eines Udo-Lindenberg-Museums wurden gegenseitig bis auf Weiteres ausgesetzt."

Bei aller Wertschätzung für Lindenberg kann man nur sagen: gut so. Das Beatles-Museum auf dem Kiez ist eingegangen, das Hans-Albers-Museum überlebte auch nur kurz. Es gibt in der Stadt nicht wirklich Bedarf an einer Devotionaliensammlung, selbst wenn sie von einem Weltstar stammt. Ob die Präsentation eines Schlagzeugs aus Udos Probenraum wesentlich zum Verständnis der Gegenwart beiträgt, ist außerdem fraglich. Auch Lindenbergs Likörelle, mit Crème de Cacao und Underberg gemalte Bilder, sind kunsthistorisch eher eine Fußnote. Vielleicht nicht einmal das.

Zusammengetragene Fanartikel ergeben noch keine Ausstellung. Und Udo Lindenberg ist nicht David Bowie, dem das Victoria and Albert Museum in London eine glamouröse Schau spendierte, seit vergangener Woche ist sie in Berlin zu sehen.

Aber für die Geschichte der jüngeren deutschen Populärkultur ist Lindenberg unersetzlich. Für viele Babyboomer beginnt die musikalische Sozialisation mit Alles klar auf der Andrea Doria. Das deutsche Idiom jugendkulturfähig gemacht zu haben ist eines von Lindenbergs Verdiensten. Schon seit 20 Jahren auszusehen wie Lagerfeld heute ein anderer.

Dies alles könnte gewürdigt werden mit einer Ausstellung zum deutschen Pop und was er Hamburg verdankt. Der Popdiskurs, um einen Museumskuratoren-Ton anzuschlagen, hat hier wesentliche Stationen absolviert: Udo in den Siebzigern, Achtzigern. Die Hamburger Schule mit Bands wie Blumfeld, den Goldenen Zitronen, den Sternen in den Neunzigern. Der Hip-Hop von Jan Delay, Fettes Brot und Samy Deluxe bis heute. Auch Annett Louisan und Roger Cicero muss man erwähnen, die Vertreter eines neubürgerlichen Liedguts zwischen Chanson, Jazz und Schlager.

"Udo ist Kult", sagte Grünen-Kulturfachfrau Christa Goetsch. "Ein privat finanziertes Museum wäre eine Bereicherung." Im Kult lauert aber immer schon der Kitsch. Dann lieber eine kluge Ausstellung zur Ästhetik des Hamburger Pops. Titelvorschlag: "Wir sind Helden."