Noch im März war von einer "der größten wissenschaftlichen Entdeckungen" die Rede. Der Nachweis urzeitlicher Gravitationswellen – eine Art Selfie vom Urknall – wurde weltweit gefeiert (ZEIT Nr. 13/14). Nun mehren sich die Zweifel: Haben die Astrophysiker – entgegen eigener Beteuerungen – doch nicht alle Fehlerquellen ausgeschlossen? Haben sie mit ihrem Bicep2-Teleskop vielleicht nur die Störeffekte kosmischer Staubwolken gesehen? In der Kritik steht etwa eine Karte, mit der das Bicep2-Team die Staubverteilung im Kosmos abschätzte. Diese wurde einfach bei einer Konferenz abfotografiert, weil die entsprechenden Rohdaten des Planck-Satelliten noch nicht freigegeben waren – ein extrem zweifelhaftes Vorgehen. Nun warten alle auf neue Daten, die den Streit entscheiden. Im Oktober, wenn der europäische Planck-Satellit neue Ergebnisse liefert, könnte es so weit sein. Bis dahin ist die vermeintliche Kosmologie-Sensation erst einmal in der Schwebe.