"Ich als Hundebesitzerin schäme mich für die Leute, die immer noch den Kot ihrer Hunde überall liegen lassen – warum tun die das?" ... fragt Christine Bönig aus Eimsbüttel.   In der Kolumne "Warum funktioniert das nicht?" beantwortet unser Kolumnist Mark Spörrle die Fragen der Leser.

Der Schein trügt. Zwar ist die Zeit vorbei, als sich an Hamburger Straßenbäumen die Hundewürste stapelten, als Fußgänger zusammenstießen, weil sie nur nach unten sahen, und jeder Seitensprung im Park mit Gestank bestraft wurde. Doch all den vielen vernünftigen Hundefreunden zum Trotz, ungeachtet der Verbote und Gratis-Kotbeutel, die man nur füllen und in den nächsten Eimer werfen muss – er passiert doch immer wieder, der Tritt ins Eklige.

Und wer jetzt noch seinen Wuffi ohne Tütchen ausführt, der weiß genau, was er tut. Entweder er lässt ihn die Häufchen im Dunkeln setzen, idealerweise auf Türschwellen, um Hundehasser zu bekehren. Oder er steht ganz offensiv dazu; schließlich zahle er für seinen Hund Steuern – anders als die Halter von Katzen oder Kindern! Was solche Menschen reitet? Psychologen zufolge haben sie Hunde, um aufzufallen oder ihr Selbstbewusstsein zu stützen. Offenbar mit Erfolg. Berüchtigt in Eimsbüttel ist ein grauhaariger Hüne, der den Kot seines Terriers gerne am Kaifu-Kindergarten liegen lässt. Gefragt, warum, fühlt er sich erst verfolgt "wie bei den Nazis", um dann zu drohen: "Ich weiß, wo du wohnst!"

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Der Mann kann es sich leisten. Theoretisch drohen ihm zwar allein fürs Liegenlassen bis zu 200 Euro Bußgeld. Aber die Beweislage ist komplex. Selbst Hund und Wurst in flagranti zu fotografieren reiche nicht, sagt eine Bezirksamtssprecherin. Die Tat müsse amtlich festgestellt werden, "das geht nur, wenn gerade eine Amtsperson vorbeikommt – aber die trägt dann ja Uniform, und wie blöd muss ein Hundebesitzer sein ..." Dass dennoch ab und zu ein Bußgeld verhängt wird, grenzt also an ein Wunder. Keins dagegen ist, dass die Zahl der Hunde im Hundehalterparadies Hamburg in den vergangenen drei Jahren um ein Drittel auf 67.000 Exemplare anstieg.