Von welcher Partei stammt wohl die Forderung nach einer 35-Stunden-Woche für Schüler? Von der SPD, von den Grünen oder gar von der Linken?

Von keiner der drei. Der Hamburger CDU-Chef und Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg sowie sein Fraktionskollege Martin Patzelt meldeten sich damit via Bild -Zeitung zu Wort, um den Nachwuchs vor Stress und Burn-out zu schützen. Weinberg kritisierte, dass Schüler bis zu 45 Stunden wöchentlich arbeiten müssten und damit mehr als viele Erwachsene.

Nun darf man die 45 Stunden getrost anzweifeln. Sie entstammen einer nicht repräsentativen Umfrage aus dem Jahr 2012. Selbst die G-8-Gymnasiasten kommen auf lediglich 25 Zeitstunden Unterricht pro Woche; sie müssten also jeden Werktag vier Stunden mit Hausaufgaben verbringen, um auf 45 Stunden zu kommen. Fragwürdiger noch als die Zahlenakrobatik ist jedoch das Signal, das die CDU sendet: Schüler, leistet weniger! Damit verspielt sie den letzten Trumpf, den sie in der Bildungspolitik noch hat: für Leistung in der Schule einzustehen.

Das Gymnasium nämlich, als deren Hüterin die CDU sich ausgibt, wird auch von SPD und Grünen nicht mehr infrage gestellt. Umgekehrt sieht die Union in staatlichen Vorschulangeboten und Ganztagsschulen keine Bedrohung der Familie mehr.

Und die aktuellen Streitthemen der Bildungspolitik – die Verkürzung der Gymnasialzeit (G 8) und der gemeinsame Unterricht für Kinder mit und ohne Behinderung (Inklusion) – eignen sich auch nicht zur parteipolitischen Profilierung, weil man sie sich gemeinsam eingebrockt hat.

Bleibt für die CDU ebenjenes Thema, mit dem sie bislang erfolgreich gewirkt hat und mit dem die anderen Parteien fremdeln: dass es in der Schule um Leistung geht. Wenn sie hier nachgibt, kann sie sich gleich ganz aus der Bildungspolitik verabschieden.