Wer hätte das gedacht? Österreich habe zu viele Beamte. Behauptet der Finanzminister. Um 3.000 zu viele sollen es sein. Das überrascht, hatte man bisher eher den Eindruck, es herrsche ein noch viel größerer Überhang, und bei Post, Telekom oder ÖBB seien viele Dienststellen doppelt und dreifach besetzt. Das überrascht erst recht. Denn der Postkunde konnte sich nicht darüber freuen, man nehme sich auf Postämtern seiner Anliegen besonders intensiv an. Gleiches gilt für den sogenannten Service der Bundesbahn. Und all diejenigen, die eine simple Auskunft bei der Telekom erhofften, mussten dafür einen Urlaubstag einplanen. Als Gegenleistung hörte man beruhigende Klänge vom Tonband und erfuhr am eigenen Leib, dass nicht nur die Pharmaindustrie blutdrucksteigernde Mittel herstellt. Doch nun soll umgeschichtet werden. Postbeamte könnten den akuten Lehrermangel mildern. Das neue Unterrichtsfach "Entschleunigung" ist ohnehin ein Gebot der Stunde. Und wer wäre berufener als Postbeamte, um den gestressten Jugendlichen zu vermitteln, wie man einen entspannten Arbeitstag gestaltet. ÖBB-Mitarbeiter könnten hingegen im ohnehin sonst so öden Physikunterricht eingesetzt werden und am eigenen Anschauungsbeispiel die Relativität der Zeit praxisnah demonstrieren: Pünktlichkeit, so die Lektion, ist eine Fiktion, wahrscheinlich sogar eine fixe Idee unverbesserlicher Besserwisser. Telekom-Angestellte wiederum hätten die Aufgabe, die schwindende Demut vor der Behörde neu zu beleben: Überlege nicht, was der Beamte für dich tun kann, sondern überlege, was du für den Beamten tun kannst. So gesehen, kann es gar nicht genug Beamte geben. Hier irrt der Minister.