Journalisten haben die moralische Pflicht, ihre lieben Kollegen aus anderen Zeitungshäusern im Fall von politisch unkorrekten Meinungsemissionen fürsorglich an die Hand zu nehmen und zurück auf den Pfad der Tugend zu führen. Gemeint ist leider schon wieder die Süddeutsche Zeitung. Sie ist bekannt dafür, dass sie ohne Rücksprache mit der Bundesregierung unbarmherzig in mediale Aufmerksamkeitslücken vorstößt und gutartige Merkeldeutsche zu grob abweichendem Denkverhalten nötigt.

So behauptete der SZ- Redakteur Dr. Prantl unlängst bei vollem Bewusstsein, der US-Geheimdienst NSA habe ein Loch im deutschen Grundgesetz hinterlassen und es in einen Donut verwandelt. Lesern, die für gewöhnlich auf regulärem niedersächsischem Standardgraubrot herumkauen, sei gesagt, dass es sich bei einem Donut um ein handtellergroßes Hefebackwerk handelt, das bauartbedingt in seiner Mitte ein naturbelassenes Luftloch aufweist.

Wie aber, so fragen wir die SZ, gelangte das Donut-Loch ins Grundgesetz? Benutzten US-Agenten dafür eine handelsübliche Lochlaubsäge aus dem praktischen Heimwerkerset? Oder haben sie in einem rechtsfreien Augenblick in das bekannt salzarme Grundgesetz hineingebissen und die beim Durchbiss frei gewordene Gesetzesmasse ungewürzt und in Luftpolsterfolie verpackt ins Weiße Haus geschickt?

Deutsche Politiker versichern allerdings, ihnen sei von einem klaffenden Rechtsloch im Grundgesetz nichts bekannt. Angela Merkel lässt ausrichten: "Es ist nicht meine Aufgabe, mich in Details einzuarbeiten. Donuts sind für uns alle Neuland." Der bissfeste Ex-Innenminister Friedrich schreibt uns: "Jetzt sage ich Ihnen mal was: Noch bevor man überhaupt weiß, was die Amerikaner da genau machen, regen sich alle auf. Ich gehe davon aus, dass die NSA kein Loch ins Grundgesetz gebissen hat."

Auch das geblümte FdGO-Handexemplar, das auf Anordnung der Chefredaktion allzeit griffbereit und durch ein hochwertiges Goldkettchen gegen Diebstahl gesichert auf dem persönlichen Schreibtisch von ZEIT-Redakteuren lagert, besitzt keine Ähnlichkeit mit einem Donut. Sämtliche Handexemplare sind nachweislich unbenutzt und weisen keinerlei Bissspuren auf. In der Mitte fehlt das von der SZ beklagte Rechtsloch vollständig. Wer also behauptet, das Grundgesetz sehe aus wie ein amerikanischer Donut, muss bayerische Brezen auf den Augen habe. Liebe SZ: Hüte deine Zunge! Noch so ein Wahrheitsloch, und die NSA stopft es mit einem.

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