Ein seltsames Hobby: Ich beschäftige mich mit Fußballernamen. Kaum liegt die Sport Bild mit allen Aufgeboten der Weltmeisterschaft am Kiosk, kaum ist das neue Sonderheft des Kickers zur bevorstehenden Bundesligasaison erschienen, schon blättere ich nach den klanglichen Sensationen der kommenden Spiele. In Brasilien wird für die Italiener ein Herr namens Immobile auflaufen, großartiger Auftakt: ein Stürmer, der Unbeweglich heißt, ja Reglos – schön! Ferner werden vielleicht dabei sein: die Spieler Bong, Song und Hong, schließlich Kwak; zur Freude der Reporter ist aber auch Azubuike Egwuekwe aus Nigeria aufgeboten, außerdem treten Männer an, die Christodoulopoulos, Aguirregaray, Ghoochannejhad, Azpilicueta und Alderweireld heißen.

Blind aus den Niederlanden dürfen wir nicht vergessen, er ist Verteidiger, nicht Schiedsrichter. Dazu sage ich Bravo (Chile)!

Seit Jahrzehnten widme ich mich diesem Thema. Es gibt keine andere Sportart, die so nach den Namen der sie Ausübenden klingt. Schalten Sie die Bundesliga-Konferenz im Radio ein, dann hören Sie es: "Gündoğan zu Błaszczykowski, Błaszczykowski wieder zu Gündoğan, der schickt Schieber, der sollte schießen, schießt auch, aber daaa iiist Beeenaaagliooo ..."

So geht das immerzu. Das ist der Sound des Fußballs, das ist seine mit nichts zu verwechselnde Poesie, ein immer neues Namensgemisch.

Und es ist ein Durcheinander, das ich gern sortiere, denn warum immer dieses langweilige Team-Building nach Leistung, Geld, Taktik, Vereinszugehörigkeit? Warum nicht mal was ganz Neues?

In jeder Saison stelle ich mir eine Truppe neu zusammen, die ich "Albtraum der Radioreporter" nenne, in der vergangenen Spielzeit waren das: Abdellaoue, Aubameyang, Drmić, Savranlıoğlu, Scioscia, Elabdellaoui, Mkhitaryan, Ndjeng, Ostrzolek, Papastathopoulos, dazu der Vokalkönig Azaouagh sowie auf der Reservebank Przybyłko, Piszczek und Skrzybski, wahre Fürsten des Konsonantenwesens.

In meinen Träumen lasse ich sie neuerdings gegen "Männer mit Doppelnamen" antreten, eine Elf, der die Zukunft gehört. Erstmals war es in der abgelaufenen Spielzeit nämlich möglich, ein solches Team zu bilden: Callsen-Bracker, Choupo-Moting, Erwig-Drüppel, Sukuta-Pasu, Ofosu-Ayeh, Titsch-Rivero, Müller-Wiesen, Radjabali-Fardi, Pfingsten-Reddig, Stroh-Engel. Na gut, das sind nur zehn, wir wollen Royal-Dominique Fennell dazunehmen, da muss es der Vorname rausreißen.

Oder hier, die Elf "Komische Namen" vom Anfang dieses Jahrtausends: Vollborn, Ballwanz, Breitkreutz, Dickhaut, Popowitsch, Gansauge, Hutwelker, Mäkelmann (allein der Name war eine Gelbe Karte), Wüllbier, Feinbier, Tattermusch. Leider verletzt: Lahm, Hinkel, Husterer, Wimmer und Wehlage.

Apropos Wimmer, Wehlage: In der Saison 2012/13 eröffnete sich die wunderbare Gelegenheit, aus Spielern der drei Bundesligen die Elf "Medizinische Abteilung" zusammenzustellen: Kotzke, Kastrati, Leberfinger, Hartherz, Tausendpfund, Huszti, Karius, Krebs, Kratz, Kiefer und Großkreutz. Der Trainer hieß Oral und kam aus Ingolstadt.

Ganz nebenbei kann man anhand von Mannschaftsaufstellungen auch Sozialgeschichte schreiben. Als Schalke, der Club der (oft aus Polen stammenden) Bergleute, 1939 deutscher Meister wurde, standen auf dem Platz: Klodt, Bornemann, Schweisfurth, Gellesch, Tibulski, Berg, Eppenhoff, Kalwitzki, Urban, Kuzorra, Szepan. Hier nun elf Namen aus dem Schalker Aufgebot für die Saison 2007/8: Krstajic, Rafinha, Rodriguez, Azaouagh, Bajramovic, Kobiashvili, Özil, Varela, Altintop, Asamoah, Kuranyi.

So ist das nicht nur bei Schalke, so ist das auch bei der Nationalmannschaft: von Maier, Müller, Beckenbauer und Schwarzenbeck 1974 zu Özil, Boateng, Khedira, Mustafi und Podolski aus Jogi Löws Aufgebot für Brasilien.

Aber schöner ist die reine Poesie. Mein Namenskönig der vergangenen Jahre war Bienvenue Basala-Mazana, er trat zuletzt leider nur noch für die zweite Mannschaft des 1. FC Köln an und ist jetzt unbekannt verzogen. Darlington Omodiagbe ist auch nicht zu verachten. Der spielte in Duisburg, Hannover, Gütersloh, Unterhaching, Osnabrück, Jena, Ahlen und Burghausen (übrigens stieg er mit sechs dieser Vereine jeweils ab, keiner schaffte das vor ihm), aber auch für Piotrcovia Piotrków, SSR Rzgow, ŁKS Łódź und Iwuanyanwu Owerri.

Ebenfalls großartig: Solomon Okoronkwo vom FC Erzgebirge Aue; nie war in fünfzig Jahren Bundesliga-Geschichte ein Name o-haltiger, und wenn ich in den vielen dieser Spielerei gewidmeten Nächten die A-Mannschaft von 2013/14 mit Abraham, Akpala, Alaba, Karaman, Tasaka, Alban Sabah, Ratajczak, Haas, Maas, Blacha und Baba gegen das E-Team (Ede, Hegeler, Hefele, Zetterer, Geenen, Degenek, Yelldell, Hergesell, Mwene, Cecen, Yelen) antreten lasse, muss ich oft an Solomon denken, für den sich als Partner in drei Bundesligen nur Koo und Gondorf fanden, na ja, und Wood natürlich.