Man könnte meinen, ein Strandkorb gehöre seiner Bestimmung nach an den Strand. Der Hamburger aber, der nur seinen geliebten, doch viel zu beengten Elbstrand besitzt, hat eine anderen Ort für ihn auserkoren: die Terrasse, den Balkon. Dort steht er das ganze Jahr über.

Im Winter umhüllt von einem lässig übergeworfenen Wetterschutzcape, das Christo nicht besser hätte entwerfen können. Im Sommer streckt er seine hölzernen Beine aus und lehnt sein schweres Haupt nach hinten, auf dass seine Besitzer ein Sonnenbad lang das anstrengend-zweckmäßige Leben da draußen vergessen können.

Der Strandkorb gleicht einer kleinen Festung. Nichts kann ihm etwas anhaben. Er ist gemacht für Böen und Regen, an den Küsten von Ostsee und Nordsee hat er sich bewährt. Kinder können sich in ihm verstecken, Bikini-Beautys lassen die schlanken Waden sehen. Hoch oben aber, auf den Balkonen von Stadthäusern, wächst der Strandkorb über sich hinaus. Den Strand braucht er nicht mehr als Kulisse, er ist seiner Ursprungsfunktion enthoben. Ein Thron mit Baldachin, bietet er jenen Platz, die das Meer des städtischen Lebens überschauen.