Gut möglich, dass die Immobilienfirma Hermann Friedrich Bruhn am meisten am Bau von Ikea verdienen wird. Dem Hamburger Familienunternehmen gehören große Flächen um die Baustelle, darunter auch die sogenannte Bergspitze, wo jetzt noch die Preis-Oase ihre Sachen verkauft. Dort plant Bruhn ein sieben Stockwerke hohes Wohn- und Geschäftsgebäude. Die Restaurantkette Vapiano hat schon zugesagt, dort ihr viertes Hamburger Restaurant zu eröffnen. Ob die Preis-Oase wiederkommt, wenn das neue Gebäude steht? "Nein!", antwortet die Verkäuferin und guckt einen an, als ob man etwas nicht begriffen hätte. Sie reibt Daumen und Zeigefinger aneinander. "Zu teuer", sagt sie.

Aus dem Familienunternehmen Bruhn flossen zwischen 2007 und 2010 insgesamt 275.000 Euro an die Hamburger CDU. Als ein Zeitungsbericht die Spenden veröffentlichte, gab es sofort neue Gerüchte bei Ikea-Kritikern, schließlich hatte die CDU sich ganz besonders für Ikea eingesetzt. Ob solche Summen wirklich reichen würden, um Politiker zu manipulieren, ist fraglich. Aber Bruhns Image war auf der Großen Bergstraße dahin.

Die Firma Bruhn hat ihren Sitz in einer Straße in Harvestehude, in der viele Gründerzeitvillen stehen und davor viele Porsche-Modelle. Der Isebek-Kanal plätschert nebenan, das Restaurant Noas verkauft Vorspeisen für 15 Euro. Kai Krahmer, Geschäftsführer der Firma, empfängt im siebten Stock des Bruhn-Büroturms. Er weiß, welchen Eindruck die Umgebung macht. Er selber wohne woanders.

Natürlich kennt er das Image der Firma Bruhn in der Großen Bergstraße. "Wir sind der böse Investor", sagt Krahmer. Er sagt allerdings auch, dass der türkische Imbissbetreiber keine Miete gezahlt habe. Und dass die Inhaberin des Sanitätshauses auf einem Kurzzeitvertrag für ihr Geschäft bestanden habe, um flexibel zu bleiben – und so etwas gelte dann eben für beide Seiten. Es gibt immer zwei Seiten einer Geschichte.

Krahmer zählt auch die Bestandskunden auf, die bleiben: das Eiscafé Filippi, Bruhns ältester Mieter in der Großen Bergstraße, das kleine Fitnesscenter, der Lotto-Laden, das Schuhgeschäft.

"Uns gehören die Immobilien in der Großen Bergstraße seit 50 Jahren", sagt Krahmer. Hinter seinem Schreibtisch hängt gerahmt eine Anzeige aus dem Hamburger Abendblatt von 1965. "Hermann Friedrich Bruhn vermietet folgende Objekte" steht auf der vergilbten Seite. Darunter wird auch eines jener Gebäude im Viertel angepriesen, das Bruhn gerade neu baut. Heute wirbt Bruhn im Internet für die Fläche: "Sie positionieren sich in bester Lage im neuen Altona", heißt es dort. "Wir investieren über 50 Millionen", sagt Krahmer. "Natürlich machen wir das auch, um mit den Immobilien Geld zu verdienen." Man habe in Altona aber auch lange sehr wenig verdient.

Ikea gibt sich sehr viel Mühe, ein guter Nachbar zu sein. Warum wohl?

Als Ikea Richtfest feierte, waren die Proteste verstummt. Bei der Grundsteinlegung hatten Gegner noch Flyer verteilt und ihre Kritik ins Mikro geschmettert. Mittlerweile hatten sie anscheinend aufgegeben. Vielleicht weil es sowieso zu spät war. Vielleicht auch weil sie mittlerweile bemerkt hatten, dass es schlimmer hätte kommen können als mit Ikea.

Das Unternehmen hat in Altona viel richtig gemacht in Sachen Krisenkommunikation. Es gab zahlreiche Infoveranstaltungen, zu denen der Chef des Einrichtungshauses persönlich erschien, auch zu denen der Kritiker. Ein eigener Ansprechpartner für Anwohner und Geschäftsleute kümmerte sich während der Bauphase um Probleme jeder Art, seine Handynummer stand am Bauzaun. Es gab einen Baustellen-Logistiker, der die Anlieferungen minutengenau plante, um das Verkehrsaufkommen so gering wie möglich zu halten. Um für den Staub zu entschädigen, bot Ikea an, Fenster zu putzen. Eine Frau aus meinem Haus, die mit dem Lärm nicht klarkam, wurde mit Ikea-Gutscheinen versorgt.

Warum machen die das alles?, fragte ich mich spätestens nach dem Richtfest. Ikea investierte über 80 Millionen Euro in seine erste Innenstadtfiliale, für die auch ein neues Lieferkonzept entwickelt wurde. Und bei so viel Geld, wie das Unternehmen zusätzlich dafür ausgab, ein guter Nachbar zu sein, musste es um mehr gehen als nur um Imagepflege.

Kein Projekt interessiert den Konzern derzeit so wie Hamburg-Altona

Die Deutschland-Zentrale von Ikea ist in Wallau, einem hessischen Städtchen mit nicht mal 5000 Einwohnern. Man kommt dort bequem mit dem Auto hin, der Bus fährt nur einmal die Stunde. Wallau ist das alte Ikea-Konzept: Gut von der Autobahn zu sehen und direkt hinter der Ausfahrt gelegen.