Aber sogar wenn man denkt, dass eine Sache klar ist, kann sie kompliziert sein. Später wird sich herausstellen, dass Kasselmanns Nachmieter, eine Apotheke, nicht mehr zahlen muss als sie. Es gibt, Ikea hin oder her, vielleicht auch Mieterwechsel, die sind einfach nur persönlich.

Gentrifizierung, ja oder nein? Ich wünschte, ich könnte die Frage so einfach beantworten, wie es Ikea-Gegner und -Befürworter tun. Aus Prinzip gegen jede Form der Veränderung in einer Stadt zu sein, finde ich genauso falsch wie eine Veränderung, an der nur die Reichen teilhaben können.

Die Mieten entwickeln sich in meinem Viertel nach oben. Noch kostet eine Wohnung in Altona-Altstadt im Schnitt 7,58 Euro pro Quadratmeter. Wer neu mietet, zahlt allerdings bereits zweistellig. Die Immobilienfirma Bruhn wird für ihre Wohnungen im Neubau an der Bergspitze zwischen 12 und 13,50 Euro pro Quadratmeter nehmen. Das ist für Hamburger Verhältnisse nicht mal besonders teuer. Ich habe Freunde in Eimsbüttel und Eppendorf, die mehr zahlen. Leisten können werden sich diese Wohnungen trotzdem nur Menschen ab einer gewissen Einkommensstufe.

Kann ich erwarten, dass ein Investor wie Bruhn aus sozialer Verantwortung Wohnungen unter dem Hamburger Durchschnittspreis anbietet? In einer idealen Welt wäre das so. Ich glaube aber, dass nur die Politik dafür sorgen kann, dass nicht aus noch mehr Stadtteilen reine Wohlstandsviertel werden. Der Bezirk hat sich gewünscht, dass ein Drittel der neuen Wohnungen an der Bergspitze Sozialwohnungen werden. Durchgesetzt hat er das nicht.

Ikea in Altona – Fluch oder Segen?, unter diesem Titel lud Die Linke vor einem Jahr zu einer Infoveranstaltung ein. Ich fand mein Viertel vor Ikea nicht so schlimm, wie die Ikea-Befürworter es dargestellt haben. Es hat sich mit Ikea aber auch nicht so schlimm verändert, wie die Ikea-Gegner es prophezeit haben. Jedenfalls noch nicht.

Die Autorin wurde durch ein Stipendium für lokale Berichterstattung des Vereins "netzwerk recherche" gefördert