Früher dachte man, alles sei schon einmal da gewesen und komme zyklisch wieder. Wie die Jahreszeiten. Das war die Denkweise in den Agrarkulturen. Heute existiert alles zur gleichen Zeit, und zwar im Internet. Angenommen, mir fiele etwas Lustiges ein, sagen wir, sprechende Socken. So, und nun googeln Sie mal "sprechende Socken".

In diesem Fall könnten Sie mit Recht einwenden, dass mir nur die falschen Sachen einfielen, diejenigen, auf die andere Leute auch sofort kommen. Aber genau das ist es ja. Das Internet führt mir vor, dass ich auch nur einer von mehr als sieben Milliarden Menschen bin, und da wäre es seltsam, wenn ein Gedanke nicht mehrmals vorkommen würde.

Auf diese Weise bilden sich Gruppen. Noch die ausgefallensten Interessen ballen sich zusammen. Wer sich ein bestimmtes Thema erschließen will, erliegt dem Sog, der von diesen Gruppen ausgeübt wird. Sie interessieren sich für Staubsaugerroboter? Willkommen in der Welt der Bescheidwisser über Staubsaugerroboter! Sie wissen so niederschmetternd viel.

Auch ich habe einen Staubsaugerroboter. Für ihn habe ich einen Twitter-Account angelegt. Nur um festzustellen, dass auch andere Staubsauger twittern. Man darf sich nicht zu viel mit dem Internet beschäftigen. In geringer Dosis macht es demütig, in stärkerer depressiv. Das liegt an der Wahrheit, die das Netz enthüllt; ich habe sie in den achtziger Jahren mal an einer Häuserwand in Essen gelesen: "Du bist nicht allein. Du Null." Eine politische Botschaft.

Wir sitzen in der U-Bahn, rings um uns her wischen die Leute auf ihren Handys. Jeder für sich, aber wir ahnen schon, was sie da treiben. Rennspiele, Kurznachrichten, das ganze Zeug. Sie verabreden sich und sagen einander ab. Und verschicken Filmchen von ihren Katzen, die auf Staubsaugerrobotern umherfahren. Na gut, was sollen sie stattdessen tun?

In der U-Bahn gibt es nicht viele Alternativen. Gemeinsam im Waggon zu sitzen ist schließlich kein Grund, miteinander Freundschaft zu schließen. Ein Witz über Frankfurt und die Frankfurter geht so: Kommt ein Mann in die U-Bahn und sagt: "Einen schönen guten Morgen, alle miteinander!" – Sagt eine Frau zur anderen: "Des werd sisch net durschsetze."

In Wahrheit ist jemand, der in der U-Bahn allen einen guten Morgen wünscht, entweder ein Bettler oder gestört. Aber das ist ein anderes Thema. Es existieren Internetseiten darüber.