Nein, dies ist nichts, vor dem man auf der Straße einen Bogen machen muss, um nicht hineinzutreten. Es ist auch kein vom Töpferkurs vergessenes Stück Ton. Bei diesem Häuflein Braun handelt es sich um ein Traumstück, genauer gesagt: um ein liebenswertes Tier.

Im Katalog des Auktionshauses Karl & Faber wird es nach seinem originalen Titel – und damit in wunderbar alter Rechtschreibung – Seeelephant genannt. Ein Elefant der Meere, die größte aller Robbenarten, hier ist sie aus Bronze, in einem Guss geschaffen. Ein Klumpen mit fehlendem Hals, der seine Balance behält und den Kopf immer oben. Der See-Elefant ist eines der vielen Tierplastiken aus dem Nachlass des Künstlers Rolf Nida-Rümelin (1910 bis 1996), Sohn eines Bildhauers und Vater des Philosophen Julian Nida-Rümelin. Ein halber Zoo gehört zu Nida-Rümelins Werk: Giraffen, Elefanten, Pinguine, Pferde und Bären. Der Seeelephant ist die genügsamste dieser Figuren. Knapp zwölf Zentimeter lang ist sein Körper, der als Briefbeschwerer jedes noch so drängende Anschreiben zu beschwichtigen vermag. Doch der See-Elefant ist kein rein funktionales Accessoire. Auf der Nordseeinsel Sylt werden Seehunde am Strand in respektvollem Abstand mit Schildern geschützt: "Achtung, rastende Robbe!", 200 Meter Abstand, bitte. Nida-Rümelins Robbe ist eine stetige Erinnerung an diese Wertschätzung des Müßiggangs und damit eine gute Alternative zur herkömmlichen Buddha-Statue. Buddhistisch ist seine Botschaft allemal: Bevor der See-Elefant nicht von selbst weiterzieht, geht gar nichts – und das ist auch gut so. So verwunderte auch der Zusatz im Auktionskatalog wenig. Die Robbe sei "in gutem Zustand". Für 861 Euro wurde sie vergangene Woche in München versteigert.