Europa hat ein gebrochenes Herz. Paris, das Zentrum der Liebe, liegt verwundet da. Das Geländer der Pont des Arts, jener Lieblingsschlenderbrücke nahe dem Louvre, auf der Verliebte aller Welt verweilen, brach unter Hunderten sogenannter Liebesschlösser zusammen, Fußgänger mussten evakuiert werden.

"Liebesschloss" – was klingt wie eine abseitige Lustgrotte, ist den Stadtverwaltungen schon lange verhasst. Denn ein Liebesschloss ist nichts als ein gemeines Vorhängeschloss. Massenhaft von Paaren als Symbol ihres Glücks angebracht, ächzen Brücken zwischen Frankfurt und Sydney unter dem Gewicht, allein auf der Pont des Arts sollen es 93 Tonnen gewesen sein. Jeden freien Millimeter Geländer hatte sich die Liebe erobert. Jessica und Karsten, Bob und Shania, so verewigten sich Paare in liebevoller Schnörkelschrift, samt eingraviertem Datum.

Eine beachtliche Karriere, die das Hängeschloss als Talisman hingelegt hat. Potthässlich wirkt es trotzdem auf Passanten, auch die Metapher ist uneindeutig: abgeschlossen für immer, Schlüssel in den Fluss geworfen – die Liebe als Zwinger, Schuppen, Fahrradkeller? Zweisamkeit, ein abgeschlossenes Kapitel? Und wie einzigartig ist ein Gefühl, eingequetscht zwischen anderen Namen, auf einem Schloss aus dem Baumarkt?

Nein, es war klar, dies war nichts für immer. Paris hat lange genug gelitten. Als Nächstes könnte Köln zerbrechen, Hamburg oder Fulda, so weit darf es nicht kommen. Die Liebe lässt sich nicht verbieten. Ein Vorhängeschloss schon.