NEW YORK

Es ist ruhig an den Märkten. Zu ruhig. Wie entspannt die Anleger sind, zeigt der VIX-Index, besser bekannt als Angstbarometer. Er leitet aus dem Optionshandel kommende Kursschwankungen ab und steht auf dem tiefsten Stand seit mehr als sechs Jahren. Veteranen der Wall Street beunruhigt das. "Ich bin etwas nervös, dass die Marktteilnehmer sich zu wohl fühlen mit dieser geringen Volatilität und mehr Risiken als angemessen eingehen", gestand William Dudley, Chef der New Yorker Filiale der US-Notenbank Fed und zuständig für die Überwachung der Märkte. Gehen Investoren zu große Risiken ein, kann das zu Spekulationsblasen und Crashs führen. So ruhig wie heute waren die Märkte zuletzt 2007. Was folgte, ist bekannt.

Es fehlen ein paar Sorgen. Nichts Ernstes – vielleicht hohe Ölpreise oder Konjunkturprobleme in China. Ein wall of worry, ein Sorgenwall, den die Anleger überwinden müssen, bevor sie investieren. Aber nicht einmal einen Ziegel für solch einen Wall würde er finden, klagte ein Fondsmanager jüngst. Stattdessen gibt es niedrige Zinsen, klare Ansagen zur Geldpolitik und anständige Erträge der Unternehmen. Eine komfortable Situation, wie geschaffen für einen Schwarzen Schwan. So nennt die Finanzwelt Ereignisse, die unerwartet auftauchen und weitreichende Folgen haben.

Unerwartete Ereignisse sind nirgendwo gern gesehen. Auch nicht in Detroit, wo man sich dieser Tage zwar nicht mit Schwänen, dafür aber mit Ziegen herumschlagen durfte. Mark Spitznagel, Kopf des Hedgefonds Universa und Anhänger der Theorie vom Schwarzen Schwan, ließ vergangene Woche 20 junge Ziegen in einem besonders zerrütteten Teil der Stadt frei. Dort sollten die Tiere das Unkraut auf verlassenen Grundstücken abgrasen. Das war in der Tat ein unerwartetes Ereignis – für den Chef des Ordnungsamts, Abteilung Tiere. Sicherheitshalber verfügte er ein sofortiges Ende des Experiments. Um keine unvorhergesehenen Folgen zu provozieren.