Niemand hätte es für möglich gehalten, schon gar nicht jene Männer, die in ihren Uniformen mit goldenen Abzeichen im Raum stehen, Bier trinken und Erbsensuppe mit Bockwurst essen. Aber die Polizei Hamburg, die in diesem Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiert, möchte offenbar wirklich zum Hipster-Verein mutieren. Die Bühne taucht ein in blaues Licht, der überdimensionale Schriftzug "Polizei Hamburg" wird effektvoll von unten beleuchtet. Am anderen Ende des Wellblechsaals hängen Bilder von lässig in die Kurve bretternden Motorrad-Polizisten, darüber ragen silbern glänzende Rohre aus der Wand. Wer in Hamburg einen Club für die Hippen und die Coolen aufmachen will, muss neidisch auf diesen Raum blicken, der im Zentrum des Geländes der Landespolizeischule steht. Er muss neidisch gucken auf den Jahresempfang der Polizei.

"15 minutes to go", sagt Ralf Meyer, als er auf die Bühne steigt, und meint damit: Er redet jetzt 15 Minuten, dann können sich die Uniformierten und die Würdenträger im Saal weiter über Streifenwagen und Prostitutionskontaktverbote unterhalten. Ralf Meyer ist seit einem Monat Polizeipräsident. Er kommt aus dem Betrieb, ist kein externer Wunderheiler. Aber Ralf Meyer will seiner Polizei einen neuen Anstrich verpassen. Weniger Grusel-Schill und Gefahrengebiete. Mehr Nähe, mehr Gefühl und vor allem: mehr Style.

Meyer redet über Themen, über die man unter hippen Männern so spricht: über Netzwerke, die ganz eklatant wichtig seien; über das Internet, das immer relevanter werde; über Bürokratie, die einfach nur lähme. Dann sagt er: "Und jetzt kommt unser neuer Imagefilm, bislang unveröffentlicht." Auf der Leinwand, die aussieht, als hätte sie vor zwanzig Jahren schon als Projektionsfläche für Dias gedient, verschwindet ein Bild von fröhlichen Beamten, es beginnt die professionelle PR-Leistungsshow der neuen Polizei.

Ein Polizeiauto rollt ins Bild: Oldtimer, Vintage-Style. Für diesen Wagen würde sogar das linke Bürgertum aus Eimsbüttel seine Carsharing-Mitgliedskarte eintauschen. Die Musik setzt ein, zurückgelehnte Loungesounds. "Es war schon immer unser Verständnis, für Sie da zu sein", sagt der Sprecher. Das ist doch die Synchronstimme von Robert de Niro! Rauchig sanft schiebt sie nach: "Wir können richtig schnell sein oder uns auch Zeit nehmen, dort, wo es wichtig ist."

Die Bilder dazu wechseln von Schwarz-Weiß in Farbe, Polizisten seilen sich aus Helikoptern ab, eine Polizistin mit Headset hilft einer Frau am Telefon, deren Wagen angefahren wurde. Einmal verirrt sich ein Projektil ins Bild, verlässt den Schaft einer Pistole, fliegt in Zeitlupe durch die Luft – und trifft, natürlich, genau ins Ziel. Schau an, Hamburg, sagt der Film, so cool sind deine Cops! Was für ein Freund, was für ein Helfer – was für ein Arbeitgeber.

"Wie bei vielen anderen Unternehmen ist auch bei der Polizei ein Generationenwechsel im Gange", sagt Ralf Meyer in den Applaus. Die Generation Y stehe vor der Tür, mit ganz anderen Ansprüchen und einem ganz anderen Führungsstil. Generation Y, wieder so ein Anglizismus. Er stellt sein Team vor: zwölf Männer und sogar eine Frau! Toller Laden, diese Polizei.

Am späten Nachmittag dann auf dem Rathausmarkt: Polizisten kesseln Lampedusa-Flüchtlinge ein, drücken Menschen zu Boden, sprühen einigen Pfefferspray ins Gesicht. So schnell sind sie wieder da, die alten Bilder der Hamburger Polizei.