Wer keine Kalauer mag, muss jetzt ganz tapfer sein. Es folgt eine gewaltige Auswahl. Erwarten Sie das Schlimmste. Machen Sie sich bereit für Höhe- und Tiefpunkte deutscher Einkaufsstraßenpoesie. Erdichtet und der Allgemeinheit überantwortet von unseren Friseuren.

Es gibt keine logische Erklärung für dieses Phänomen, außer dass in Haarpflegeprodukten psychoaktive Substanzen vorhanden sein müssen, die jene Gehirnareale stimulieren, die für Wortspiele zuständig sind. Wenn Sie gelegentlich an Klebstofftuben schnüffeln, bekommen Sie eine Ahnung davon. Jedenfalls neigen Friseursalons zu bizarrer Namensgebung. Etwa "Vier Haareszeiten", "Philhaarmonie" oder "Haarem".

Es geht noch subtiler. So arbeiten in Lüneburg "Haarchitekten" an Turmfrisuren, doch auch andernorts ist man "krehaartiv". Etwa an der "Schnittstelle" in Meiningen, beim "Abschnitt" in Norden oder beim Braunschweiger "Kaiserschnitt", der wohl in Krankenhausnähe zu finden ist. Kenner meiden die Haarwäsche bei "Dirty Hairy", genießen die einzigartige "Atmosphaire" oder besuchen einen "Vorhair-Nachhair"-Salon. Ach ja, der "Director’s Cut" ist in der "Cut-edrale" erhältlich, gleich neben dem Studio "Kammbodscha".

Zusammengetragen haben diese beeindruckende Sammlung die Fans von Barbierblog.de. Danke an die Macher, dass ich mich dort bedienen durfte! Mein persönlicher Favorit: die Frage, ob im Salon "Ryan-Hair" auch "Stewhaardessen" arbeiten. Großartig. Einfach nur großartig. Das Barbierblog dokumentiert deutsche Alltagspoesie als scherenschnitthafte Kreativität, die manchmal schmerzt wie ein Schnitt ins Ohrläppchen, letztlich aber zum Weltkulturerbe erklärt werden sollte. Einfach hairlich, unsere Friseure.