Wie in einem Märchen erzählt Der Weg nach Oxiana von einer verloren gegangenen Welt. Dabei ist der Autor dieses Reisetagebuchs, Robert Byron, ein Kind des 20. Jahrhunderts. Er ertrank 1941 in der Biskaya, als das Schiff, auf dem er für den britischen Geheimdienst unterwegs war, von einem deutschen Torpedo getroffen wurde. Wie sein Vorfahr Lord Byron wurde auch Robert Byron nur 36 Jahre alt. Acht Jahre zuvor schifft er sich im Hafen von Triest in Richtung Palästina ein. Ahnt er, dass 1933 das Schwellenjahr zum großen Verhängnis ist? Von den "alttestamentarischen Szenen", die sich an Bord der MS Italia unter den jüdischen Flüchtlingen aus Deutschland abspielen, berichtet Byron eher amüsiert als beklommen. Überhaupt sind die Nazis allenfalls eine Zumutung. Als er später beim Diplomaten-Tee in Teheran in die Vorführung ihres neuesten Propagandafilms genötigt wird, resümiert er nur: "Hitler, Goebbels und die anderen brüllten dauernd." Im ganzen Buch sonst kaum ein Wort dazu.

Die Reise, die Byron mit dem Schriftsteller Christopher Sykes unternimmt, dauert ein Jahr und führt über Zypern, Syrien, den Irak ins damalige Persien und nach Afghanistan. Es ist der pure Enthusiasmus: Fasziniert von der Fotografie eines seldschukischen Grabturms in turkmenischer Steppe möchte sich Byron selbst ein Bild von den Ursprüngen der islamischen Architektur machen. "Es wäre schön", sinniert er irgendwo im persischen Bergland, "dort, wo alles angefangen hatte, auf einem alten Nussbaum zu sitzen und eine Apfelsine zu essen."

Byron hatte zuvor in Eton und Oxford studiert, war dort aber vor allem durch seine Parodien der Queen und hemmungslose Trinklust aufgefallen. Zu einem Abschluss brachte er es nicht, aber zur enzyklopädischen Kenntnis der Kunstgeschichte – und unerbittlicher Urteilsfreude. Die Alhambra, der Tadsch Mahal: plumpe Touristenattraktionen! Byron ist Purist. Und daher wie die Theoretiker des Bauhauses dem formal zwingenden Design auf der Spur. In Persepolis feiert er eine glatte, schmucklose Steinwand am Grabhaus des Zoroasters als die Essenz des guten Hausbaus – der aber immer erst durch die Dynamik des Gebrauchs zu Kunst werde. So wie, ebenfalls in Persepolis, die Türen des Palastes. "Sie sind", doziert Byron, "schmal und massiv, fordern also ein stetes Hindurchschreiten, während unsere Türen dazu einladen, innezuhalten und sich von ihnen einrahmen zu lassen." Oder die Scheich-Lutfullah-Moschee in Isfahan: Auch ihre unvergleichliche Pracht eröffne sich erst in der Bewegung. Das dann ständig wechselnde Licht ordne die Ornamente auf jedem Schritt zu unzähligen Mustern neu.

Dem Reisenden entgeht kein Minarett, kein Mausoleum, keine Zitadelle. Aber auch keine Landschaft. Natur ist für Byron die organische Fortsetzung der Kunst. So vollendet die Fruchtbarkeit der turkmenischen Steppe das ästhetische Ideal der völligen Abstraktion: Kontur verschwindet in reiner Farbe, in der "puren unauflöslichen Essenz des Grüns, der Farbe des Lebens selbst". Solche Verzückungsmomente setzten gute Nerven voraus. Auf einer Sammeltaxifahrt nach Beirut: "Vorn saß eine verwitwete Araberin, die einen Gemüsekorb sowie einen kleinen Sohn dabeihatte. Alle zwanzig Minuten streckte sie den Kopf zum Fenster hinaus, um sich zu erbrechen. Wenn wir nicht gerade anhielten, flog das Erbrochene zum hinteren Fenster wieder ins Auto herein." Byron beschließt diese Slapstick-Vignette in unschlagbarer Lakonie: "Die drei Stunden waren nicht besonders angenehm." Stoisch erträgt er weitere, kaum angenehmere Umstände wie Moskitoplagen, Übernachtungen im eisigen Gebirge, Hospitalaufenthalte und Achsenbrüche von schrottreifen LKWs, mit denen lange Strecken zurückgelegt werden. Dauernd müssen feierlich Empfehlungsschreiben oder Visa erbeten werden, die Telefonleitungen zwischen Kabul, Teheran und den entlegensten Dörfern laufen heiß. Wann mit Gastfreundschaft zu rechnen ist und wann mit Misstrauen, ist kaum vorherzusagen. Im afghanischen Herat, schätzt Byron, halten sich nur zwanzig Ausländer auf, zu deren Überwachung aber 120 Geheimagenten im Einsatz sind.

Es gibt vergleichbare Reisebücher aus Byrons Zeit, zum Beispiel von seinem Saufkumpan aus Oxforder Tagen, dem Schriftsteller Evelyn Waugh. Mit ihm teilt Byron die Wirklichkeitsverachtung des Dandys. Im Unterschied zu Waugh, dessen Berichte von tödlichem Ennui und beißendem Spott gegenüber allem und jedem triefen (die Regenwaldindianer: "unattraktiv, niedrig und einfältig"; die Akropolis: "ein Stilton-Käse, den man mit Portwein übergossen hat"), bleibt Byron selbst in der Karikatur noch freundlich. Dass ihn der Bart des afghanischen Botschafters in Teheran "an einen Eierwärmer" erinnert, heißt nicht, dass der Mann nicht trotzdem ein ganz wunderbarer Typ ist.

Wenn der Leser mit Robert Byron auf den Kopf der monumentalen Buddhafiguren von Bamian klettert (denen er die allergrößte künstlerische Armseligkeit bescheinigt) oder die afghanische "Mutter aller Städte" Balch besichtigt, dann ist das Vergnügen, das dieses so gelehrte, elegante und lustige Buch bereitet, doch nur ein schwacher Trost dafür, dass sein Ortsregister heute mit der Liste von Militäreinsätzen oder islamistischem Terror zu verwechseln ist. Russen, Amerikaner, Mudschahedin, Taliban und andere Barbaren haben der ehemaligen Seidenstraße ihr neues Antlitz verpasst. Ein Antlitz, in das übrigens auch schon Byron hie und da einen Blick riskiert, so bei Masar-i-Scharif am 26. Mai 1934: "Angesichts der Ruinen, die mehr oder weniger seit Dschingis Khan in diesem Zustand sind, bemerkte unser Beschützer: ›Es war schön hier, bis die Bolschewiken diesen Ort vor acht Jahren zerstört haben.‹" Vor acht Jahren! Was für ein niederschmetternder Kommentar zu einem Jahrhundert, das wie eine Planierraupe unter Vollgas vernichtet hat, was einmal gar kein Märchen, sondern der Orient gewesen ist.