Als der Silberberg nahezu ausgebeutet war, stürzte die Weltmacht in eine Wirtschaftskrise. Der Regierung fiel nichts Klügeres ein, als Steuern, Abgaben und Preise für eingeführte Waren drastisch zu erhöhen. Gnadenlose Steuereintreiber sorgten für die Durchsetzung und bereicherten sich an selbstherrlich erhobenen Tributen. Kein Wunder, dass an vielen Orten Rebellionen aufflammten. Eine, die in einen Aufstand umschlug, wurde von einem gebildeten Händler und Vorsteher eines Dorfes angeführt. Er war schon früher durch selbstlosen Einsatz aufgefallen: In der Hauptstadt hatte er beherzt, aber vergeblich Steuererleichterungen für seine Gemeinde gefordert. Nun sammelte er Empörte um sich, ließ den verhassten örtlichen Steuereinnehmer festnehmen und nach einem Prozess aufhängen. Eigenmächtig setzte er besonders drückende Abgaben außer Kraft – eine Kriegserklärung an die Regierung. Doch war er kein blindwütiger Rebell, die Staatsform wollte er nicht antasten: Er kämpfte für soziale Gerechtigkeit, Freiheitsrechte und die Gleichberechtigung aller Menschen – ein Programm, das Ziele späterer Revolutionen vorwegnahm. Um möglichst große Teile der Bevölkerung für sich zu gewinnen, betrieb er historische Imagepflege: Er behauptete, ein Nachfahre des letzten indigenen Herrschers zu sein, und nahm dessen Namen an. Obwohl er weder die Sprache der Ureinwohner beherrschte noch zu ihnen gehörte, brachte ihm der Glaube an dessen Wiederkehr großen Zulauf. Viele allerdings schlossen sich ihm nur an aus Hass auf die Zerstörer ihrer Kultur. Ihre spontanen Racheakte, Morde und Kirchenschändungen konnte er nicht verhindern. Im Kern blieb sein Aufstand einer der Mittelschicht aus Handwerkern, kleinen Kaufleuten und freien Bauern.

Doch die Kirchengläubigen unter seinen Mitstreitern liefen davon, als der Klerus ihnen das Seelenheil absprach. Einige erfolgreiche Gefechte, die vergebliche Belagerung einer Stadt und die letzte Schlacht in der Nähe seines Heimatorts – nach neun Monaten war alles vorbei. Er floh. Einer seiner Gefährten aber, der die eigene Haut retten wollte, übergab ihn den Regierungstruppen. Zum Tode verurteilt, wurde er öffentlich und barbarisch hingerichtet. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 24:

Mikis Theodorakis (geb. 1925 auf Chios), Komponist, Sänger, Lyriker, Autor, Politiker und Griechenlands lebender Volksheld dank seines Widerstands gegen jede Art von Faschismus. Theodorakis überlebte Folter, Gefängnis und Exil. 1964 machte ihn die Musik zum Film "Alexis Sorbas" weltberühmt