Wenn ich niedergeschlagen bin, zieht es mich über den Singel, den alten Festungsgraben von Amsterdam, in die Negen Straatjes. Ich liebe dieses Karree aus neun Gassen, die kleinen, schiefen Häuser, das holprige Kopfsteinpflaster. Wenn im Frühjahr die Linden an den Grachten blühen, liegt ein wunderbarer Duft in der Luft.

Von meinem Lieblingscafé aus, dem Wolvenstraat 23, sehe ich, wer da alles vorbeikommt: eine Dragqueen, ein Hipster auf seinem Fahrrad, ein altes Paar mit Blumen im Arm, junge Leute auf Shoppingtour.

Vor etwa zehn Jahren haben viele junge Designer im Viertel Ateliers und Läden eröffnet. Mit meiner Stylistin Anouk gehe ich manchmal zu Rika, einer schwedischen Modemacherin, die hier lebt und arbeitet. Eigentlich kauft Anouk meine Sachen in Paris, aber Rikas toughen Girlie-Look lässt sie gelten. Der Laden ist winzig, wie alles im Viertel. Doch hier kommt keiner auf die Idee, einen Durchbruch ins nächste Haus zu machen, um ein bisschen mehr Showroom zu haben. Holländer mögen keine Angeberei.

Ein altes Sprichwort sagt: "Wenn du deinen Kopf aus dem Kornfeld hältst, werden andere dich köpfen." In den Negen Straatjes wirkt das überhaupt nicht einengend, sondern wie eine Verbeugung vor dem gemütlichen alten Amsterdam. In den engen Straßen, die alle nach einem anderen Handwerk benannt sind, fügt sich das Neue in die historische Struktur.

Auch das Oldenhof, die Bar an der Elandsgracht – also streng genommen schon Jordaan-Viertel –, in der ich gerne den Abend ausklingen lasse, versteckt sich hinter einer handtuchbreiten Fassade. Drinnen fühlt man sich wie in einer alten Bibliothek: dunkles Holz, Chesterfield-Sofas. Die Barmänner tragen weiße Hemden und schwarze Fliegen. Ich bestelle einen süßsauren Lemon Drop mit Wodka, Cointreau, Limettensaft und Sirup – und kann mich nicht daran erinnern, jemals traurig gewesen zu sein.