Noch gibt es Hoffnung für Madagaskars Lemuren, auch wenn die jüngste Überarbeitung der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature selbst Optimisten zum Verzweifeln bringen kann: 105 Arten der Feuchtnasenaffen sind wissenschaftlich beschrieben, 99 von ihnen vom Aussterben bedroht. In den vergangenen sechs Jahren wurden mehr als 20 neue Lemurenspezies entdeckt, vor allem dank neuer genetischer Analysen. Zu den Neulingen gehört der oben abgebildete Goldmann-Mausmaki ( Microcebus lehilahytsara ). Auch er ist gefährdet. "Es gibt eine Reihe von nachtaktiven Lemuren, die sich äußerlich kaum unterscheiden und die wir vorher zu einer Art gezählt haben", erklärt Christoph Schwitzer den Anstieg. Der Biologe leitet das Lemuren-Update.

Brandrodung zerstört immer größere Waldgebiete auf Madagaskar, dessen Bevölkerung sich in den letzten 20 Jahren fast verdoppelt hat. Außerdem plündern Holzfäller illegal wertvolles Rosenholz. Für Lemuren bleibt weniger Platz. Mindestens 17 Arten sind bereits ausgestorben, darunter auch wahre Riesen wie Archaeoindri mit 200 Kilogramm Gewicht.

"Für den Artenschutz ist die Rote Liste extrem wichtig", sagt Schwitzer. Sie liefere verlässliche, wissenschaftlich geprüfte Informationen über die einzelnen Arten – etwa zum nördlichen Wieselmaki Lepilemur septentrionalis. Nur noch 50 Tiere leben im dichten Wald auf etwa zehn Quadratkilometern. Neben dem Habitatverlust ist Jagd sein größtes Problem. "Ein einzelner Jäger kann eine Art in einer Nacht an den Rand des Aussterbens bringen", sagt Artenschützer Schwitzer. Aber solange noch 50 Tiere am Leben seien, bleibe er optimistisch.