nehmen Sie mir bitte den vertrauten Ton nicht übel (man kennt sich ja schon eine Weile). Ihre Amtsbezeichnung passt eben nicht zu einem Lob. "Kultusminister" – da denkt man gleich an eine gescheiterte Existenz. "KMK" klingt noch schlimmer, hört sich an wie eine politische Partei kurz vor dem Verbot.

Sie machen ja auch viel Murks. Siehe das Hü und Hott bei der Schulzeitverkürzung: von G 9 auf G 8 und zurück auf G 9 oder vielleicht zu G 8,5. Aber eigentlich haben Sie einiges gut hinbekommen. Dieser Gedanke kam mir bei der Lektüre des aktuellen Bildungsberichtes. Der erscheint alle zwei Jahre und stellt in Tabellen und Kurven dar, wie lange die Deutschen lernen, wo und in welchem Alter. Was sie lernen und was nicht. Vor allem über das, was nicht klappt, wurde zu Recht viel berichtet. Inklusion funktioniere nicht, der Wirtschaft fehlten Azubis, immer noch gehe es im Bildungssystem ungerecht zu.

Die Zahlen im Bericht erzählen jedoch auch Erfolgsgeschichten, die kaum jemand richtig wahrgenommen hat. Mehr Studenten brauche Deutschland, hieß es nach der Jahrtausendwende, 40 Prozent eines Jahrganges sollten es sein. Das Ziel galt als ehrgeizig. Heute studiert fast jeder Zweite. Und es ist nicht lange her, da waren Krippen und Ganztagsschulen hierzulande so gut wie unbekannt. Mittlerweile bleiben mehr als die Hälfte aller Schulen nachmittags geöffnet, und rund 50 Prozent der Zweijährigen finden einen Betreuungsplatz.

Die Zahlen verraten noch mehr: Weniger Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss, dafür mehr mit einem mittleren Abschluss oder mit Abitur. 57 Prozent der Schulabgänger besitzen heute die Hochschulreife. Eine solche Bildungsexpansion gab es nur einmal in der Nachkriegsgeschichte, in den siebziger Jahren. Damals aber mit weit mehr ideologischem Getöse.

Ehrlich: Diesen Kraftakt hätten wir der Politik nicht zugetraut. Vor einem Jahr hieß es, der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz werde sich als hohles Versprechen entpuppen. Unzählige Eltern würden die Bundesländer mit einer Klagewelle überziehen, um einen Krippenplatz vor Gericht zu erstreiten. Bislang wurden nicht einmal 250 Verfahren gezählt, in ganz Deutschland!

Aber sind die Deutschen im Schnitt auch schlauer als früher? Dafür spricht einiges. Zwar dürfte das Abitur nicht mehr ganz so viel wert sein wie früher. Doch wer länger zur Schule geht, lernt auch mehr. Und wenn mehr junge Leute studieren, steigt das Bildungsniveau.

Liebe Ku-Mis, für einen Augenblick dürfen Sie also stolz sein. Aber bitte nicht zu lange. Die nächsten Verrisse Ihrer Politik werden nicht lang auf sich warten lassen, versprochen.