Tumult in Bahrenfeld, vor dem Hotel 25hours. Die Leute sind dem Schild "Meet Meat" gefolgt. Nun stehen sie vor einem umgerüsteten Wohnwagen Schlange für 5-Euro-Burger. Im Ansatz ist das wohl gewollt, schon um zu zeigen: Wir machen kein Fast Food. Aber nach einer Viertelstunde vorm Burger de Ville beginnt doch mancher zu maulen. Der tätowierte Koch bedauert: Zweiter Tag heute, da sei noch nicht alles eingespielt. "Also keine komischen Kommentare auf Facebook. Ich merk mir eure Gesichter!"

Schon beim ersten Bissen merkt man, das Warten hat sich gelohnt. Es beginnt beim briocheartigen gelben Brötchen, offenbar mit Maismehl gebacken. Und endet beim Hackfleischtaler, dem Patty, wie Profis sagen. Eindeutig Rindfleisch, sehr intensiv. Der Geschmack erinnert an Beef Tea. Man starrt an die Tafel überm Tresen und denkt: "Boah, organic black angus!"

Der Hamburger kommt zurück nach Hamburg, und das mit aller Macht. Fast jeden Monat eröffnet so ein Lokal, gern in stolzer Abgrenzung zum normierten Burgertum der amerikanischen Ketten. Ein paar Zutaten sind bei allen gleich: der gewollt originelle Name mit entsprechender Story dahinter. Die auf rau getrimmte Einrichtung. Das Bemühen um weibliche Kundschaft mit Grünzeug und Bio-Siegeln. Die aufgekratzte Kumpanei. Der Anspruch, man habe den besten. Aber wer hat ihn denn nun? Das erfährt man wohl nur im Selbstversuch. Also dann: sechs Tage, sechs Burger, Super Size Me de luxe.

Ganz in der Nähe des Pressehauses, in der früheren "Apotheke", sitzt jetzt die Brooklyn Burger Bar. Hier nehmen sie den Mund recht voll, aber das passt zum Produkt. In der Werbung stand: "Fragt nach dem Burger des Monats, mh, mh, mh ...!" Der ist aber chinesisch gewürzt und vor allem: mit Pute. Das hat der Gott der Hamburger doch sicher nicht gewollt. Besser klingt der südamerikanisch inspirierte Mamacita-Burger. Er ist, das mal vorneweg, der schönste Burger im Test: faustgroß und fast so hoch wie breit, was allerdings auch bedeutet, dass man ihn zerlegen muss. Dabei fällt auf, dass die Tomatenscheibe unter dem artgerechten Patty das Brötchen durchtränkt – kleiner baulicher Fehler. Die "unglaublich geile Gewürzsoße" Chimichurri haut es wieder raus. Das war nett, aber geht es noch besser?

Wenn, dann doch sicher bei der Better Burger Company. Der Imbiss am Gertrudenkirchhof spricht eine hormongesteuerte Zielgruppe an. "Unsere Burger", heißt es, "machen sexy." An der Chilisauce steht: "Ich bin scharf, nimm mich mit nach Hause." Hier legt der Kunde selber Hand an. Er lässt sich den Patty nach Wunsch braten und wählt aus einer großen Auswahl sein eigenes Topping. Der Nachteil: Der saftige, wenn auch recht weiche Patty kühlt zwischen den kalten Zutaten ab, ehe man reinbeißen kann. Derweil verschwindet die wirklich scharfe, aber wohl zu dünne Chilisauce schüchtern im Brötchen. Zum Glück steht am Tisch norwegischer Ketchup. Ist das die kommende Ketchup-Nation?

Otto’s Burger in der Langen Reihe fährt ein anderes Programm: wenig Spielereien, hoher Fleischanteil. Der Chili Chorizo Burger ist hässlich. Aber wenn man sich an die Wurststücke in der Sauce gewöhnt hat, entwickelt die Mischung einen beachtlichen Wumms. Der Bio-Rindfleisch-Patty schmeckt weniger durchdringend als der von Burger de Ville. Doch dank seiner Dicke und Festigkeit erinnert er, rosa gebraten, fast an ein gutes Steak.

Der Gürtel spannt, erste Bedenken: Machen Burger tatsächlich sexy? Auch fragt man sich nach dem Sinn dieser Mode. Der Hamburger als solcher ist ja schon ein gepimptes Bulettenbrötchen. Wenn man den noch einmal veredelt, kommt dann nicht ein überzüchtetes Kunstprodukt heraus?

Besonders bunt treibt es Hans im Glück, ein großes Franchise-Lokal am Schlump. Die Karte ist voll mit albernen Namen und abenteuerlichen Rezepten. Wer möchte allen Ernstes Feigensoße oder Gorgonzolacreme in seinem Burger haben? Verlockend aber klingt nach vier kaloriensatten Tagen der brotlose Burger, ein echter Hoffnungsträger mit Rauke und Parmesan. Der Salat ist frisch, die "geheime Glücks-Soße" auf etwas plumpe Art herzhaft. Doch was für ein Patty – durchgebraten, knorpelig und fade im Geschmack. Fleischlos wäre hier die bessere Wahl gewesen. Restaurantkritiker, ein Traumberuf? Geht so. Der Nächste, bitte.

Skeptisch betritt der Tester das Burger Lab in der Schanze, das mit seiner Experimentierfreude wirbt. Bitte nicht, zum Abschluss tut es der ganz normale Hamburger. Und der macht endlich wieder ohne Vorbehalt Spaß. Hier achten sie auf Details: das leicht getoastete, fluffige Brötchen, die marinierten Zwiebelringe und besonders die hausgemachte Sauce. Mit Noten von Senf und Estragon bringt sie Finesse in den Burger. Vorbildlich auch, dass man hier nicht nur von erlesenen Zutaten säuselt, sondern die Lieferanten nennt.

Der beste Burger? Man müsste ihn sich bauen. Brötchen von Burger de Ville, Fleisch von Otto, Sauce vom Burger Lab. Noch schöner wäre jetzt allerdings etwas Flaches, Leichtes – Carpaccio zum Beispiel. Nur bitte nicht vom Rind.