Unter R wie "Road" ist jede Menge los im Songbook des Pop, von Robert Johnsons Crossroad Blues bis hin zu Bruce Springsteens donnernden Straßenepen. Was es jedoch heißt, Woche für Woche im Tourbus über Asphaltbahnen zu rollen, wissen wir erst seit Jackson Browne. Als Running On Empty, sein fünftes Album, 1977 erschien, bemäkelte die Kritik, dass gerade mal zwei Songs vollständig aus der Feder des Autors stammten und der Sound insgesamt ein wenig dünn ausfiel. Ein klassisches Missverständnis, denn gerade das Skizzenhafte, Cinéma-vérité-Artige macht hier den Unterschied. In Brownes Version des ewigen Lieds vom Unterwegssein wird nicht nur vermerkt, wann und wo die einzelnen Titel aufgenommen wurden – im Hinterraum des Saratoga Performing Arts Center etwa oder im Holiday Inn von Edwardsville, Illinois –, sein klagender Bariton informiert uns auch über an Bord befindliche Drogen, mitreisende Mädchen, kursierende Witze. Wir erfahren, was zwischen den Shows im Radio läuft, und hören einmal sogar, wie der tonnenschwere Continental Silver Eagle im Hintergrund beschleunigt – allein der Sinn des Unternehmens hat sich verflüchtigt. Was als großes amerikanisches Freiheitsversprechen begann, ist nur noch ein nervenzermürbender Zyklus von Aufbauen und Abbauen, bis in der nächsten Stadt alles von vorne beginnt. Der Rockstar als Dienstleister: Das Publikum hat das Prophetische des Entwurfs sofort verstanden. Kurz darauf wird man das Gefühl, mit leerem Tank einem vernagelten Horizont entgegenzufahren, "Burn-out" nennen.

Jackson Browne: Running On Empty (Elektra/Warner)