Es war eine gute Nachricht, die uns am Freitag, dem 13. Juni, einen Tag nach dem Tod von Frank Schirrmacher, erreicht hat: Die Krautreporter haben es geschafft und können sofort mit ihrem Onlinemagazin loslegen. Ihr Ziel waren 15.000 Menschen, die sich bereit erklären, die Katze im Sack zu kaufen und 60 Euro für ein Jahresabonnement des geplanten digitalen Reportermagazins vorzufinanzieren, das bald für alle im Netz zu lesen sein wird.

Zwei Tage zuvor, am 11. Juni, hatte der Herausgeber der FAZ in einem seiner allerletzten Tweets noch verbreitet: "Unbegreiflich, wie man Projekt @krautreporter, das jetzt den tausendfachen Gegenwert eines Abos generiert, für gescheitert halten kann." Und noch drei Tage vor dem Ablauf der selbst gesetzten Frist für die Vorfinanzierung des Magazins sah es so aus, als ob die benötigten 15.000 Unterstützer sich nicht finden ließen.

Jetzt darf man sich mit den Krautreportern freuen, die zeigen wollen, wie neuer Journalismus gehen kann – auch wenn man bisher nicht so genau weiß, was die Mannschaft (22 Männer, 6 Frauen) eigentlich will. In einem Werbefilm für ihr Crowdfunding-Projekt preisen sie nach Art der hauptstädtischen Immobilienmakler ihre ehrliche Ware mit viel Geigengefiedel an und versprechen, "die eigentlichen Geschichten hinter den Geschichten" und das "Unmittelbare" zu finden, weil "sonst alles so vermittelt ist". Der Blogger Stefan Niggemeier, der mit von der Partie ist, wünscht sich, dass das neue Onlinemagazin "aus der Logik der Klickoptimierung" ausbreche. Man wolle vor allem ausgeruhten und "guten Journalismus" mit nichts als "Zettel und Stift" machen, dem hektischen und "kaputten Online-Journalismus" zum Trotz.

Das klingt zwar ein bisschen so, als wollten die wilden Kerle im Holzfällerhemd die alten Sonnenkönige des Journalismus endgültig vom schwarzen Ledersofa werfen. Doch unterstützt gerade die Medienbranche den Versuch, zu einem entschleunigten Elementarjournalismus aus Schreiber, Stift und Leser zurückzukehren, der in seinen schlaflosen Nächten nicht über Anzeigeneinbrüche, Uhrenbeilagen oder Kioskverkaufszahlen nachdenken muss. In letzter Minute übernahm die Rudolf Augstein Stiftung die fehlenden 1000 Abonnements.

Und es ist ja wahr: Journalisten sollten die Welt nicht im Dienstwagen erkunden. Die Idee, einen neuen Journalismus unabhängig von Konzernen und Klicks zu machen und nebenbei das fieberhaft gesuchte Zukunftsmodell für bezahlte Texte im Netz zu finden, ist wirklich zu gut, um ihr nicht alles Glück zu wünschen.