Als Ludwig Mausz sich 1904 in Köln hinsetzte, um diesen Dekorationsentwurf einer Wohnhalle zu zeichnen, hat er vermutlich erst mal ruhig die Ärmel seines Gehrocks hochgeschoben, bevor er mit Stift und Aquarellpinsel zu Werke ging. Dann aber muss er in einen Rausch geraten sein, wie es im ausgehenden Historismus eben üblich war. Geradezu mit Wollust plünderten Architekten damals den Baukasten historischer Vorbilder. Mischten munter romanische Gewölbe mit südlichen Loggien, klebten Renaissance-Erker neben antikisierende Säulen. Die Nachwelt fand solchen Mischmasch einfach unsäglich. Jetzt erlebt der Historismus eine Art reuiger Neubewertung.

Über Mausz weiß man wenig, seine Lebensdaten kennen wir nicht. Den Entwurf hat er sensibel koloriert, Rankenbordüren von Akanthusblättern trennen die Wand vom Gewölbe, dazu malt er Figürliches wie ein Elfenhaupt als Karyatide, einen Löwenkopf ... Im Gewölbe läuft noch ein bisschen Karamellfarbe aus. Ein Wunder, dass das Blatt (47 mal 40 Zentimeter, 2400 Euro bei www.moellerart.net) überlebt hat. Vermutlich blieb die Wohnhalle das, was sie heute für uns darstellt: dekorative Fantasie.