Kürzlich reiste ich von Leipzig nach Lyon, in unsere Partnerstadt, die Löwenstadt zwischen den beiden Flüssen, einer ist die Rhône, den kennt man wegen des Weines, Côtes du Rhône. Schon im Zug von L. über Frankfurt und Paris – denn der Kluge reist im Zuge! – stellte ich mir all die legendären Köstlichkeiten vor, für die Lyon berühmt ist. Das Bressehuhn, die Forellen aus den klaren Flüssen der Alpen (ich muss zugeben, dass ich das von Wikipedia abschreibe, aber von den berühmten Lyoner Würsten habe ich schon viel gelesen in der französischen Literatur, deftige dicke Würste, mit Lyoner Senf und pikanten Soßen ...). Gibt es eigentlich ein kulinarisches Leipzig, ein kulinarisches Sachsen?

Sachsen, wo die Würste auf den Bäumen wachsen? Wovon soll ich erzählen, wenn man mich in Lyon nach den Spezialitäten des Sachsenlandes fragt? Von unseren weltberühmten schönen Frauen? Von unserer Fischelanz, also unserer Pfiffigkeit? (Das kommt ja, wie so einiges in unserer Mundart, aus dem Französischen. Danke, mon Général!) Unsere ganz spezielle Spezialität, der sächsische Apfel auf Dummbrot, holgert inzwischen, wie man so hört, auf Mallorca. Zurück zu den echten Spezialitäten: Leipziger Allerlei? Flusskrebse? Spargel? Ja, schon lecker, aber die Würste, die Braten? Sächsischer Mutzbraten? Eigentlich aus Thüringen geklaut. Quarkkeulchen? Ja, das mundet! Und in Lyon bestelle ich auf Sächsisch die deftigste Wurst, die sie haben. Und siehe da, man versteht mich! Vielleicht hat unser Bürgermeister ja schon vorgearbeitet, denn der ist oft in Lyon und schlemmt, wie ich so höre. Aber der ist ja nur Wahlsachse.

Noch Tage später lässt mich die Lyoner Wurst nicht los. Eine Legende. Ich möchte sie gerne ins Sachsenland importieren. Innereien im Naturdarm. Eine Köttel-, Pardon, Kuttelwurst. Reine Innereien, Därme, Milz, Magen, süß-sauer. Das wird uns schmecken, ni wahr? Darauf einen Côtes du Rhône oder ein gutes sächsisches Bier.