Auf den Molukken und auf Neuguinea, also irgendwo in der Südsee, leben die meisten Paradiesvögel, und es sind die Männchen mit ihren gefiederten Lidschatten, die der Art ihren Namen gaben. Ihre Hälse plustern sie aufs Großartigste, und einige tragen sogar eine sichelförmig geteilte Schwanzfeder in allen Farben des Regenbogens. Wenn dieser Vogel nicht zum Symbol taugt, welcher dann? Eben.

Neben Adler, Taube, Hahn und Kauz zog er in die Managementlehre ein, wo er als Symbol für Himmelsnähe gilt, weil seine Füße angeblich nie den Boden berühren. Insofern zählt natürlich der Ex-Karstadt-Chef Thomas Middelhoff zu den Paradiesvögeln. Er schillert, kann sich aufplustern, und zwischenzeitlich schien er zu glauben, dass er dem Irdischen entrückt wäre. Im Jet ist er dem Himmel ja oft nah gewesen, und ob er private Flüge beim Konzern abgerechnet hat, beleuchtet gerade ein Gericht.

Doch hat die Causa Middelhoff auch etwas Ungerechtes. Als Paradiesvogel geht er allen Konformisten auf die Nerven, denen, die ihm die lange genossenen Freiheiten neiden. Aber auch die sollten sich fragen: Wie lange wird der Mann nun schon beschossen, wissend, dass bei vermeintlichen und tatsächlichen Wirtschaftsdelikten die Fundamentalkritik-Berichterstattung längst Teil der Strafe ist? Seit 2009. Mal ging es um Immobilien, mal um eine gescheiterte Investmentfirma. Jetzt um Flüge auf Karstadt-Kosten. Inzwischen hat Middelhoff länger "öffentlich gesessen" als jeder Investmentbanker, Großbetrüger oder Steuerhinterzieher.

Das Eigentliche ist dabei längst aus dem Blick geraten. Karstadt ging pleite, weil Middelhoff vor der Finanzkrise den Karstadt-Konzern zwei oder sogar drei Mal von großen Teilen der Schulden befreien und den Rest langfristig hätte umschulden können. Hat er aber nicht, weil er dachte, er finde noch einen besseren Deal. Dann brach über ihm, dem Finanzinvestor und Investoren-Bezirzer, die Finanzkrise herein. Da war Karstadt pleite, Quelle vernichtet und viel Vermögen dazu. Aber statt daran zu erinnern, ist ständig von einer Jacht in St. Tropez die Rede, obwohl die bloß einer sichelförmigen Feder gleich den Manager Middelhoff schmückte.