Sie ist aus der Generation jung und hungrig. Ehrgeizig und erfolgsorientiert. Ein Digital Native ist sie und weiblich. Und man muss ihre Kunst nicht verstehen, um zu verstehen: Hier tut sich etwas! Das ist die Bilderbuchkarriere einer Bilderbuchschönheit: Pamela Rosenkranz. Kein nationales Künstler-Rating kommt mehr ohne sie aus und kein Kurator, der sie nicht kennen muss. Sie ist die Glückliche, die nächstes Jahr den Schweizer Pavillon bei der Kunstbiennale in Venedig bespielen wird. Dabei ist sie erst 35 Jahre jung, fast einmalig jung für diese Aufgabe und den eidgenössischen Kunst-Oscar. Nur Emmanuelle Antille war noch jünger, 31 Jahre alt, als sie 2003 in Venedig ihr Angels Camp zeigte. Ein schnelles, frühes Leuchten einer Blitzkarriere.

Doch diese Pamela Rosenkranz ist kein Shooting-Star, sie ist eine strategische Netzwerkerin. Die Künstlerin ist ausdauernd, fokussiert, sie hat ein Ziel vor Augen. Wenn sie über ihre Arbeit spricht, legt sie jedes Wort auf die Goldwaage, um es, einmal gesagt, sofort infrage zu stellen. Oder zu präzisieren. Über ihre Person spricht es sich offenbar leichter. Denn sie weiß, was sie will. Und was sie interessiert: Philosophie, Medizin, Politik – und Identitätsbilder.

Dazu gehört, dass sie die Kontrolle nicht aus den Händen gibt, sei es die Veröffentlichung ihrer Porträtbilder – auch bei diesem Artikel, eine Herausforderung für den Fotografen – oder ihrer Zitate. Die Spielregeln bestimmt sie. Und damit wird auch den letzten Skeptikern und ihren frühen Kritikern klar, zum Beispiel jenem Professor an der Kunsthochschule in Bern, dessen vernichtendes Urteil Rosenkranz bis heute genüsslich zitiert: Hier ist eine junge Frau ganz einfach cleverer, selbstbewusster, ganz einfach ambitionierter als der Durchschnitt. Hier kennt eine die Bedingungen des Netzes und des Markts; und sie benutzt beide als ihre Arbeitsgrundlagen. Hier denkt eine wie eine Amerikanerin, nämlich global und in die Weite, und handelt wie eine Schweizerin, nämlich lokal und in die Tiefe: dort, wo sie lebt und arbeitet. Im Moment sind das Zürich und Spiez im Berner Oberland, wo ihre Eltern leben.

Doch der Moment ist fragil. Alles soll anders werden: Der definitive Umzug nach New York ist geplant, endlich. Dann ist sie kürzlich Mutter eines Sohnes geworden, und seit der Bekanntgabe ihres Venedig-Adelsschlages wird sie mit Anfragen überhäuft. Doch das ist noch kein Grund, nervös zu werden. Denn in einer Hinsicht ist sie eine typische Eidgenossin: Pamela Rosenkranz ist stur. Sie lässt sich nicht beeindrucken. Nicht vom Erfolg und nicht vom Gegenteil. Sie sagt, mit schöner Direktheit: "Ich glaube an Kunst. Sehr."

Dass sie Künstlerin werden würde, war ihr schon als Kind klar. Stoisch hat sie deshalb als Studentin den Kommentar ihres Professors, Ulrich Loock, zu ihrer Master-Arbeit pariert: "Diese Kunst gehört zum Schlechtesten, was ich je gesehen habe!" Und stoisch arbeitet sie heute trotz höchsten Ehren kontinuierlich weiter an ihrer Laufbahn. Es ist eine Reißbrettkarriere seit allem Anfang, das lässt sich nicht verhehlen.

In Phase eins war sie die hyperaktive Berner Studentin, die Dinge ausstellte, die beim großen Publikum, aber auch in der kleinen Welt der Hochschule auf Ablehnung stießen. In Phase zwei war sie eine junge Schweizer Künstlerin, deren konzeptuelle Arbeiten vor allem in Amerika gesammelt wurden. Der einflussreiche Schweizer in New York, Gianni Jetzer, stellte sie 2008 am New Yorker Swiss Institute (SI) aus. Offenbar so erfolgreich, dass er dies 2011 wiederholte, und zwar anlässlich des Umzugs des SI an die neue beste Lage an der Wooster Street in SoHo. Jetzer offerierte Rosenkranz die Eröffnungsausstellung der neuen Räume, und selbst die New York Times gab sich die Ehre und besprach das Ereignis eingehend. Gianni Jetzer kuratiert inzwischen die Ausstellungs-Plattform Art Unlimited, seit 2012 Teil der weltweit wichtigsten Kunstmesse, der Art Basel.

In der Schweiz gehörten der Zürcher Unternehmer Hans Bollier sowie der einflussreiche Mäzen Thomas Bechtler und seine Walter A. Bechtler-Stiftung zu ihren ersten Sammlern. Kuratoren erschnüffelten für sie die neue Künstlerin. Nicht zu vergessen in dieser Anfangsphase: Rosenkranz überzeugte die gleichaltrige Kunsthistorikerin Karolina Dankow, ihren Off-Space zur markttauglichen Galerie auszubauen. Heute gilt "Karma International" als Highflyer, mit Dankow und ihrer Geschäftspartnerin Marina Leuenberger an der Spitze. Die Vorzeigekünstlerin Rosenkranz präsentiert man auf allen wichtigen Messen der Welt, auch bei der Art Basel und Hongkong. Dort waren dieses Jahr zwei ihrer Arbeiten zu sehen, sie kosteten je 30 000 Dollar. Ob sie verkauft wurden, bleibt ein Geheimnis. Die Galerie gibt dazu keine Auskunft.

Was hat Pamela Rosenkranz, was andere nicht haben?

Entscheidend in dieser frühen Phase ist auch die Förderung durch die Nidwaldner Kuratorin Alexandra Blättler, die Rosenkranz seit 2006 beobachtet. Blättler zählt zu den jungen und einflussreichsten Kunst-Seismografen des Landes und wurde 2011 von der Eidgenossenschaft, 2013 auch von der Stadt Zürich mit dem Kunstvermittlerpreis ausgezeichnet. Sie bot Rosenkranz sehr früh ein zweijähriges Atelierstipendium in der Zürcher Stiftung BINZ 39 an, einem Trainingscamp für künftige Kunstexporte. Als Co-Kuratorin brachte Blättler die Künstlerin bereits 2008 ins Kunsthaus Zürich in die wegweisende Ausstellung junger Schweizer Kunst, Shifting Identities. Noch im selben Jahr konnte Rosenkranz sowohl an der 8. Berlin Biennale als auch an der Manifesta 7 teilnehmen. Und in dieser entscheidenden Phase widmete ihr die Kunsthalle Basel die erste Soloschau in der Schweiz.