2015 will die Bundesregierung den gesetzlichen Mindestlohn einführen. Die 8,50 Euro pro Stunde sollen auch für Praktikanten gelten. Monatlich wären das rund 1.400 Euro

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Volker Liebendörfer, 30, Klinikum
Während der Praktika im Studium fand ich es noch in Ordnung, nichts zu verdienen. Da habe ich viel gelernt und meinem Arbeitgeber noch wenig genützt. Jetzt, im Praktischen Jahr, ist das anders. An einem Klinikum in Würzburg kümmere ich mich richtig um Patienten, erhalte aber nichts dafür. Ich wünsche mir eine Aufwandsentschädigung, die meine Lebenshaltungskosten deckt und mir zeigt, dass meine Arbeit wertgeschätzt wird.

450 €

Göran Kügler, 22, PR-Agentur
Ich hätte auch ein Praktikum in der PR-Abteilung einer Bank machen können wie ein Kommilitone von mir, der ebenfalls Kommunikationswissenschaften studiert. Der hat 800 Euro im Monat bekommen – ich kriege nur 450. Trotzdem habe ich mich für eine Hamburger PR-Agentur und nicht für einen Konzern entschieden. Ich dachte, ich lerne mehr, wenn ich nicht nur für einen Kunden arbeite. Mit dem, was ich an Geld hatte, bin ich gut über die Runden gekommen, auch wenn die Mieten in Hamburg höher sind als in Leipzig, meinem Studienort. Den geplanten Mindestlohn hätte die Agentur wohl auch gar nicht zahlen können. In der Ausbildungsphase ist es mir wichtiger, Erfahrung zu sammeln, als Geld zu haben.

400 €

Clara Wölk, 20, Fernsehproduktionsfirma
Eigentlich mache ich als Praktikantin den Job einer Produktionsassistentin. Ohne Praktikanten würde die Firma wohl gar nicht auskommen. Für mich ist es aber auch cool, nicht nur Kaffee zu kochen, sondern stark eingebunden zu sein. Deswegen habe ich mir ja gerade ein Jahr Auszeit nach dem Abi genommen: um herauszufinden, was ich später machen will. Als Abiturientin, die noch bei ihren Eltern wohnt, finde ich meine 400 Euro voll in Ordnung. Mitpraktikanten von mir haben allerdings schon ein Bachelorstudium hinter sich. Die müssten etwas mehr bekommen.

850 €

Johanna Ollech, 23, Versicherungsunternehmen
Bei meinen Eltern ist das Geld derzeit knapp, auch wenn das auf dem Papier für das Bafög-Amt anders aussieht. Daher finanziere ich mein Studium komplett selbst. In München, für das ich mich wegen der Uni und der vielen interessanten Firmen entschieden habe, kostet allein mein WG-Zimmer 400 Euro warm. Deswegen arbeite ich nebenbei als Werkstudentin bei einem großen Versicherungsunternehmen. Ein einträglicher Job – ich bekomme 11 Euro die Stunde. Für mein Fortkommen bringt mir das aber wenig: Als Werkstudent arbeitet man eher zu, als eigene Projekte zu übernehmen, und man bekommt auch kein detailliertes Zeugnis. Deshalb mache ich im Herbst ein Praktikum bei demselben Unternehmen. Da werde ich dann mit 850 Euro monatlich weniger Stundenlohn haben als jetzt. Aber der Wert eines Praktikums bemisst sich eben nicht nur in Geld, daher brauche ich auch keinen Mindestlohn.

800 €

Michael Beyer, 21, Start-up
Mein Pflichtpraktikum im Studium habe ich bei einem Konzern gemacht. Mit dessen Arbeitskultur bin ich gar nicht zurechtgekommen. Viel besser gefällt es mir bei dem Münchner Start-up, bei dem ich jetzt bin. Mit den 800 Euro, die ich dort bekomme, liege ich im Vergleich zu meinen BWL-Kommilitonen am oberen Ende der Verdienstskala. Dieses Geld zu haben ist schön, denn meine Eltern kommen zwar für Miete und Essen auf, aber alle Extras muss ich selbst bezahlen. Für weniger Geld hätte ich das Praktikum jedoch auch gemacht, schließlich will ich mir einen interessanten Lebenslauf aufbauen. Ein Mindestlohn würde meiner Meinung nach mehr Schaden anrichten als nutzen. Bei Start-ups sind die Ressourcen begrenzt, die würden dann wahrscheinlich kaum noch Praktikanten einstellen.

*monatlicher Lohn