Im Hamburger Stadtpark kommt man schnell ins Gespräch. Man kann auf Wildfremde zugehen, ohne dass sie sich sofort abwenden. Die Weite, das Grün und die Atmosphäre im Stadtpark, sie scheinen die Laune und die Aufnahmebereitschaft jedes Einzelnen anzuheben.

Da sitzt also, windgeschützt vor einem Busch, ein Mann an einem Tisch mit allerlei Papierkram darauf und sogar einem Aktenordner. Fragen wir ihn: "Was machen Sie hier gerade?"

Der Mann blinzelt in die Morgensonne. "Meine Steuererklärung. Ich bin spät dran dieses Jahr." Und dann zündet er sich eine Selbstgedrehte an und nimmt einen Schluck Bier.

Eigentlich sei er Kfz-Mechaniker, sagt er, früher Lehrer, nebenbei eine kleine Selbstständigkeit, "so eine Vermietungssache". Ganz klar wird aus seiner Schilderung nicht, womit er sein Geld verdient, zudem sei er gerade krankgeschrieben, aber müsse deshalb ja nicht zu Hause sitzen.

So kommen wir auf den herrlichen Tag und das Ambiente zu sprechen. "Der Stadtpark ist großartig," sagt er. Welche Großstadt erlaubt sich so was? Kein Eintritt!"

Ein zufriedener Bürger, wie bestellt zum Jubiläum. Und er weiß im Detail zu erklären, was ihm gefällt: "Das Ordnungsamt nimmt es nicht so genau, es ist alles sehr laisser faire. Auch mit den Hunden, die nicht immer angeleint sind. Die meisten sind total nett, da freut man sich, wenn mal einer zum Schnuppern kommt. Und es ist gut, dass man das Planetarium hierbehalten hat."

"Sollte das denn weg?"

"In die HafenCity!" Er ist noch im Nachhinein empört: "Das Planetarium gehört hierher. Die HafenCity ist doch das Letzte!"

Schade, dass die Begründer des Hamburger Stadtparks das Gespräch nicht mehr hören können. Sie hätten ihre helle Freude daran, auch wenn sie vor 100 Jahren bei möglichen Nutzungen bestimmt nicht an ein Planetarium und das Verfertigen von Steuererklärungen gedacht hatten. Das Planetarium war zu Beginn ein Wasserturm gewesen. Und was hätten sie sich wohl unter "HafenCity" vorgestellt? Oder was unter einem Inselpark, dem neuen Park in Wilhelmsburg, der dieser Tage offiziell eröffnet wird und die Gemüter des Viertels erhitzt? Aber dazu später mehr.

Der Stadtpark sollte als neuartige, 148 Hektar große Grünanlage den geplagten Städtern des Industriezeitalters ein Freiraum sein, in dem sie tun und lassen konnten, was sie wollten. Akteure statt Flaneure: Laufen und spielen statt immer nur spazieren zu gehen. Im Juli 1914 war das ein sensationelles Konzept. Es hatte viele Jahre und viele Mitdenker gebraucht, bis jener große Wurf gelang, der bis heute die Menschen anzieht.