Pfifferlinge waren einmal eine teure Delikatesse. Heute bekommt man sie in der Pilzsaison, die gerade begonnen hat, schon zum Preis von rund einem Euro pro 100 Gramm. Sind das alles Züchtungen aus holländischen Gewächshäusern?

Nein, der Grund für den günstigen Preis ist vielmehr das wirtschaftliche Gefälle zwischen West- und Osteuropa. In Litauen, Polen und Weißrussland gehen die Menschen tatsächlich noch in den Wald und hoffen auf Pilzsammlerglück. Trotz vieler Versuche ist es bislang nicht gelungen, den Pfifferling zu züchten.

Der Grund dafür ist die sogenannte Mykorrhiza, die Symbiose zwischen Pilzen und Pflanzen. Pfifferlinge haben nicht nur kein Chlorophyll für die Fotosynthese, ihnen fehlen, anders als etwa Champignons, auch Enzyme, um komplexe Kohlenhydrate abzubauen. Sie beziehen daher alle Nährstoffe, die sie zum Wachstum brauchen, von Bäumen, meistens Fichten. Im Gegenzug bieten sie dem Baum über ihr feines Wurzelwerk, das Mycel, eine bessere Wasserversorgung – so profitieren beide Partner vom Zusammenleben.

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Nun gut, könnte man meinen, dann kultiviert man eben die Pilze zusammen mit den entsprechenden Bäumen. Aber das ist noch niemandem wirklich gelungen, zumindest nicht im industriellen Maßstab. Es reicht offenbar nicht, nur den Pilz und den Baum zusammenzubringen, auch die Bodenzusammensetzung enthält viele unbekannte Faktoren. Viele Hobby-Pilzfreunde, aber wohl auch Firmen experimentieren damit und versuchen das Geheimnis zu entschlüsseln – denn mit gezüchteten Pfifferlingen (oder auch Steinpilzen) könnte man, trotz der Billigware aus dem Osten, eine Menge Geld verdienen.

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