"Kümmert sich wer ums Straßenbegleitgrün – und darf man dort selber gärtnern?", fragt Bianca Schröder aus Altona.   In der Kolumne "Warum funktioniert das nicht?" beantwortet unser Kolumnist Mark Spörrle die Fragen der Leser.

Grüne Stadt Hamburg, das heißt: Hier wird beim Grün gespart, dass es schmerzt. In Parks und auf Grünstreifen kennen die Pfleger, wenn sie denn überhaupt vorbeischauen, nur die billigste Therapie, den radikalen Kurzschnitt. Und was um die Straßenbäume wächst, überlässt man in Nebenstraßen ganz sich selbst – besser: den Reifen der parkenden Autos. Wo trotzdem noch Grasbüschel und Brennnesseln hochkommen, dienen sie als Hundeklo und Müllkippe. Umweltschützer beklagen das Verschwinden von Pflanzen und Kleingetier, aber an der Ursache des Notprogramms können auch sie nichts ändern: Die Stadt stellt einem Bezirk wie Altona gerade mal ein Drittel des benötigten Geldes zur Verfügung.

Dafür, sagt Hajo Schaefer, Abteilungsleiter Stadtgrün, hielten sich die Beschwerden noch in Grenzen, "die Hamburger sind einigermaßen leidensfähig". Manche reden sich gebetsmühlenartig ein, sie seien stolz, dass es hier nicht so geleckt aussehe wie in München. Andere kümmern sich gleich selbst um ein kleines Stück Erde zwischen Fußweg und Fahrbahn. Dafür schließt man eine kurze Pflegevereinbarung mit dem Bezirk. Oder holt die Schaufel und fängt einfach an – was die Behörden dulden, solange man das Ganze nicht mit Stacheldraht einzäunt und Fernseher und Hollywoodschaukel aufstellt. Oder Thujen und Stiefmütterchen in Reihe pflanzt, als handle es sich um Urgroßmutters Grab.

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Leicht ist das Stadtgärtnern trotzdem nicht. Natürliche Feinde sind Gassigeher, Wildpinkler und Leute, die schon immer hier geparkt haben. Und da sind noch die Naturfreunde. Die hier etwas anderes pflanzen würden – und das eines Nachts auch tun. Oder denen die eine oder andere Pflanze ganz besonders gefällt. Wie dem einsamen älteren Herrn in Ottensen, der sich in einen frisch gepflanzten Johannisbeerstrauch verguckte, ihn mitnahm und in seine Küche stellte. Die Besitzerin sah den Strauch durchs Fenster, klingelte und wollte ihn zurückholen, war dann aber so gerührt, dass sie nur noch über Besuchszeiten verhandelte.

Und auch der GAU ist niemals ausgeschlossen: dass ein Mitarbeiter der Stadt sich nach Jahren doch mit dem Mäher herverirrt, nichts weiß von der Pflegevereinbarung und den neu gepflanzten teuren Wildstauden und alles ratzfatz auf Streichholzlänge bringt.

Kein Wunder, dass so mancher Stadtkleingärtner das Handtuch wirft, kaum hat er endlich den kniehohen Holzzaun gezogen. Und das ist für die Umwelt nicht das Schlechteste: Auf einem verwilderten Stückchen Land tummeln sich viel mehr Tier- und Pflanzenarten als auf einem gepflegten.