In Sachen Geheimniskrämerei ist die Autoindustrie höchstens noch mit der NSA zu vergleichen. Wenn die Konzerne neue Modelle erstmals auf der Straße testen, verkleiden sie die Autos. Wenig ärgert die Automanager mehr, als dass ihre Formen kopiert und Patente übergangen werden.

Und jetzt das: Ein Autounternehmer gibt seine Patente frei. Elon Musk, 42, baut mit seiner Firma Tesla in Kalifornien Elektroautos. Künftig darf die Konkurrenz seine Patente benutzen – ein Schock für die Autobranche, die es gar nicht mag, wenn die Grundfesten ihres Geschäfts erschüttert werden.

Elon Musk ist aber kein Autoingenieur, sondern ein gelernter Physiker, der auch Raketen baut. Der Mann aus Südafrika hat sich ursprünglich nicht in Detroit oder Untertürkheim niedergelassen, sondern im Silicon Valley. Als Unternehmer schrieb er zunächst Software, dann hat er das erste erfolgreiche Bezahlsystem fürs Internet mit herausgebracht.

Im Netz kennt jeder die Idee, dass ein Markt sich viel schneller entwickeln kann, wenn der Pionier seine Patente freigibt. Bislang hat sich der Weltmarkt für E-Autos eher langsam entwickelt, wenn man davon absieht, dass Tesla in Amerika Zehntausende dieser Vehikel verkauft hat. Zu wenig Autos, zu wenig Ladestationen – es ist ein Ei-Henne-Problem, das Musk nun lösen will. Nicht nur sind seine Batterieautos besonders leistungsfähig, er hat auch schnelle Ladestationen. All das könnte eine Grundlage für mehr E-Verkehr sein.

Selbstlos geht Elon Musk dabei nicht vor, weil er ja selbst vorneweg fährt. Aber der Mann, dem das Benzin im Blut fehlt, machte sein erstes Vermögen im Netz – und riskierte für die Vision vom E-Auto jeden Cent. Eine unterirdische Hochgeschwindigkeitsbahn in Kalifornien will er unabhängig vom Profit realisieren. Vielleicht geht es ihm doch um mehr als den Bilanzgewinn.